Vom „Wer bin ich?“ zum „Wer bist Du?“

Die Meditation ist sehr beliebt geworden. Man spricht auch bei allen erdenklichen Dingen von „Achtsamkeit“. Die Frage „Wer bin ich?“ ist dabei schon fast übermächtig gross. Dies alles birgt in sich ein grosses Potenzial für die Gefahr zur Isolation und Abgrenzung, die wie ein alltäglich eingeworfener „Tranquilizer“ gegenüber den alltäglichen Problemen immunisieren kann.

Die Ursache von Stress und Angst findet man aber meist in sozialen Problemen unseres Zusammenlebens und sind auch dort draussen zu lösen – und nicht primär beim Meditieren und Entspannen im stillen Kämmerchen!

Gehen wir doch – neben all der ausgeübten Achtsamkeit – in die Welt raus und vergessen wir dabei nicht die, für mich viel wichtigere Frage: „Wer bist Du?!“.
Der Antwort darauf komme ich näher, wenn ich das Gegenüber sinnlich wahrnehme, sehe, mit ihm spreche, ihn berühre (auf allen Ebenen), ihn (gerne) rieche,…

Dazu braucht es gutes Bei-sich-Sein und ein Mit-den-Sinnen-Leben.

Damit dann überhaupt Kommunikation stattfindet, müssen mindestens zwei Teile zusammen kommen: Es muss etwas geben, das sich zusammen bewegt. Das Wort Komm-unikation heisst ja „zusammen kommen“. Gehen wir davon aus, zwei Personen unterhalten sich und verstehen sich nicht wirklich. Der Versuch zu kommunizieren wird so zu keiner wirklichen Kommunikation führen, weil beide Gesprächspartner sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegen. Sie stehen nicht in Resonanz miteinander. Wirkliche, tiefe Kommunikation bedeutet dagegen, dass wir auf einer Ebene in Resonanz sind. Dies gelingt zum Beispiel durch aktives Zuhören und Sich-Einlassen auf das, was der andere wirklich meint, und eindeutig darauf zu antworten, anstatt reaktiv zu sein oder sich zurückzuziehen.

Siehe dazu auch das starke Instrument des „Zwiegesprächs“ oder der Inquiry (Selbsterforschung) in der Beziehung: walserblog.ch/2016/05/14/zustimmung-und-verstaendnis/

Trennen ist das Gegenteil von Zusammenkommen – und wir stecken voller solcher fatal trennender Dualismen: Körper und Seele, Arbeit und Freizeit, Rückzug und Kontakt, Spannung und Entspannung, Masshalten und Grenzerfahrung (walserblog.ch/2017/04/06/grenzerfahrung/), Autonomie und Verbindung (walserblog.ch/2015/12/05/autonomie-und-verbindung/), Gut und Böse, Eigen und Fremd (Nächstenliebe und Fremdenhass), Ich und Du…

Fruchtbarer Wachstum entsteht durch ein „Verweben“ dieser vermeintlichen Dualismen!