Ist dies noch normale Vergesslichkeit oder schon Demenz?

Man muss zwischen (Alters-)Vergesslichkeit und Demenz unterscheiden. Ein persönliches Beispiel: Heute Morgen fiel mir der Zugangscode für mein Bankkonto nicht ein. Ich könnte sofort einen Termin beim Neurologen vereinbaren. Doch oft resultiert Vergesslichkeit aus Überforderung, Müdigkeit oder Interferenzen, wenn mehrere Gedanken gleichzeitig im Kopf kreisen. Jeder kennt das: Man geht in den Abstellraum und vergisst unterwegs, was man holen wollte. Das passiert jedem. Der Unterschied zwischen Altersvergesslichkeit und Demenz liegt darin, dass man sich bei Vergesslichkeit irgendwann wieder an den Code erinnert. Wenn man jedoch die Information nicht mehr abrufen kann und vielleicht sogar behauptet: „Ich habe nie einen Code fürs Banking bekommen“, könnte es sich um Demenz handeln. Vergisst man, wo das Auto auf einem vollen Parkplatz steht, ist das normal. Vergisst man jedoch, wie man dorthin kam, deutet das auf ernstere kognitive Probleme hin. Ebenso ist es normal, die Zimmernummer im Hotel zu vergessen, aber nicht die Adresse der eigenen Wohnung.

Weiterlesen zu unserer alltäglichen Zertreutheit oder Vergesslichkeit als ein Ausdruck unserer mickrigen Aufmerksamkeitsleistung unseres Hirns in einer zerstreuenden Gesellschaft mit minimalen Aufmerksamkeitsspannen.

10 Warnsymptome der Alzheimer-Krankheit

  • Zunehmende Gedächtnisprobleme:

    Daraus resultierende Einschränkung der beruflichen Fähigkeiten. Einfaches Sich-Nicht-Erinnern an Namen ist noch völlig normal (v.a. über 70). Hilft man etwas, erinnert man sich wieder. Alzheimerkranke dagegen zeigen nicht nur Schwierigkeiten mit Namen, sie erkennen auch die Person nicht oder haben entscheidende biografische Informationen der Person vergessen. Anfangsbuchstaben oder andere Hinweise, führen bei ihnen nicht zum Ziel. 
Sie finden auch nicht mehr den bisher alltäglich gegangenen Weg zum Einkaufsladen.
  • Schwierigkeiten beim Erfüllen häuslicher Pflichten:

    Vergessen ganzer Erlebnissequenzen.
 Fähigkeit zum Finanzmanagement und Geldzählen überhaupt nimmt ab (Rechnungen werden zweimal bezahlt, etc.).
  • Sprachschwierigkeiten:

    Wortfindungsstörungen, falsches Verwenden bzw. Verstehen abstrakter Begriffe.
  • Zeitliche und räumliche Orientierung:

    Verlaufen in bekannter Umgebung, beeinträchtigte Zeichen- und Schreibfähigkeit, falsche Wiedergabe von Datum und Jahreszeit.
  • Urteilsvermögen herabgesetzt:

    Unpassende Kleidung.
  • Probleme beim abstrakten Denken:

    Formalitäten werden zum Problem, knifflige Aufgaben unlösbar.
  • Sachen verlegen:

    Versorgen von Gegenständen an inadäquaten Orten (z.B. Kleider in Kühlschrank).
  • Stimmungsschwankungen
  • Persönlichkeitsveränderungen:

    Verwirrung, Misstrauen, Ängstlichkeit
  • Antriebslosigkeit

Acht Fragen helfen, Alzheimer frühzeitig zu erkennen (AD8-Test)

Die US-Forscher der Washington University stellten Angehörigen von Patienten acht Fragen über die Betroffenen (der „AD8“, Galvin JE et al., Brain 2010 Nov;133(11):3290-3300).
Sie fragten,

  • ob das Interesse an Hobbys nachgelassen habe und
  • ob die Betroffenen Fragen oder Aussagen ständig wiederholen. Zudem wurde gefragt,
  • ob die Betroffenen plötzlich Vereinbarungen und Termine vergessen und
  • den Überblick über die eigenen Ausgaben verloren hatten –
  • ob sie Probleme mit der Bedienung von Geräten zeigten;
  • über das Vergessen des laufenden Monats oder Jahres;
  • über Schwierigkeiten sich an Vereinbarungen zu erinnern
  • sowie nach dem Neuauftreten ständiger Erinnerungslücken.

Der Verdacht auf Alzheimer besteht den Wissenschaftlern zufolge bei den Patienten, deren Angehörige zwei oder mehr Fragen mit “Ja” beantworten können.
Hier finden Sie ein Testblatt dieses AD8 >>>

Eine interessante Alzheimer-Früherkennung könnte das fehlende Unterscheiden von Gerüchen sein (z.B. Seife, Erdnüsse, Kaffeebohnen und Menthol kann frühzeitig nicht mehr unterschieden werden) (https://ajp.psychiatryonline.org/cgi/content/abstract/157/9/1399).
Diese Geruchsverminderung tritt aber auch bei schweren Depressionen auf.

Abgrenzung zur Depression

In der Praxis ist die Unterscheidung zwischen einer Depression und einer Demenz durch die Alzheimer-Krankheit oft recht schwierig. Demenz und Depression können gleichzeitig auftreten. Depressionen bei demenzkranken Menschen sind nicht so leicht zu diagnostizieren, weil die Betroffenen oft nicht mehr in der Lage sind, ihre affektive Befindlichkeit mit Worten auszudrücken. Es gibt aber auch die sogenannte depressive Pseudodemenz, d.h. Leistungsstörungen bei Depressiven.

Es gibt aber doch klare Unterscheidungen >>>

Seh- oder Hörbehinderung und Weiteres kann mit Demenz verwechselt werden

Neue Studien geben Hinweise darauf, dass Demenz-Diagnosen nicht immer zutreffen. Manche Betroffenen haben in Wirklichkeit Seh- oder Hörprobleme. 
Auch Nebenwirkungen von Medikamenten, die Folgen einer Alkoholsucht, eines Vitaminmangels oder eines Schlaganfalls gleichen den Anzeichen einer Demenz.
 Wenn man befürchtet, an einer Demenz erkrankt zu sein, sollte man mögliche Symptome gründlich abklären lassen. Die Hausärzte sind die erste Anlaufstelle. Für genauere Abklärungen verweisen sie die Person an Nervenärzte oder an eine Memory-Klinik (spezialisierte neurologische Abteilungen).
Es empfiehlt sich auch, bei einem Verdacht auf Demenz die Augen und die Ohren von einem Facharzt gründlich untersuchen zu lassen.

Interner Link auf meine Website zu Prophylaxe und Therapie der Demenz >>>
Mein Blog über die komplett verschiedene Bedeutung von Vergesslichkeit mit 20/30-jährig und dann ab 50.
Und mein Blog über das, was uns enorm Hirnleistung (und Gedächtnis) kostet >>>

Foto von Rad Cyrus auf Unsplash

Letzte Aktualisierung durch Thomas Walser:
02. Mai 2024