Kindness

Kindness – das Wort lässt sich nicht präzise auf Deutsch übersetzen. Kindness ist irgendwo zwischen Freundlichkeit und Güte angesiedelt, mit einer Prise innerer Grosszügigkeit und Menschenliebe. Und ohne die Erwartung einer Gegenleistung oder von Dankbarkeit. Manchmal geht sie im Alltag vor lauter Sorgen vergessen.

Die Journalistin Anna Miller hat eine kleine Ode an die Kindness (im Covid-19-Newsletter der REPUBLIK, 16.12.20) geschrieben: «Ich habe vor ein paar Monaten damit begonnen, Menschen ihren Kaffee zu zahlen oder ihr Bier oder was auch immer sie gerade trinken, weil das bisher immer Schönstes in mein Leben brachte, einen Moment puren Glücks, und deshalb mache ich das jetzt öfter. Die Leute sitzen dann an ihren Tischen und denken sich nichts weiter, und ich sage dem Kellner ein bisschen verstohlen, dass ich die Rechnung dieses Herrn oder dieser Dame übernehme, und dann zeigen wir kurz zum Tisch hinüber, damit er weiss, wen ich meine, der Kellner nickt und lächelt, und wir haben einen Pakt geschlossen, das alleine macht schon unglaublich viel Spass.

Ich freue mich dann immer, und alle freuen sich irgendwann mit, und, falls es Sie beruhigt, die Forschung freut sich sogar mit mir, denn der Random Act of Kindness, einfach mal nett sein und nichts weiter, macht nachweislich das Leben besser und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschenkte dann auch nett ist und wir alle vielleicht doch noch die Welt retten (www.health.harvard.edu/blog/the-heart-and-science-of-kindness-2019041816447).
Das geht so weit, dass einer der besten Epidemiologen – er berät dieser Tage den neuen US-Präsidenten – während der Pandemie eine Website aufgeschaltet hat, genau dazu (www.osterholmupdate.com/blog). Jeden Tag reichen da Menschen ihre Geschichten ein, und er liest sie dann in seinem Podcast vor. Eine Pandemic of Kindness nennt er das, und es sei etwas vom Besten, was man tun könne, sagt er.

Irgendwann fliegt die Sache übrigens immer auf, der Beschenkte realisiert spätestens beim Bestellen der Rechnung, dass er nichts zahlen muss, ich bin dann schon gegangen, manchmal auch nicht, und dann sehe ich, wie die Person oft ganz irritiert ist und nicht versteht, was das soll, sie versteht nicht und fragt dann, wirklich, ich? Und ich sage dann ja; ja, Sie, und dann fragt sie: Warum bloss?, und ich: Einfach so.
Einfach so, einfach so, das ist nichts, was wir uns gewohnt sind, warum auch einfach so? Es hat doch alles seinen Preis im Leben, alles fordert seinen Tribut. Nichts gibt es gratis, jede Freundlichkeit in einer Hotellobby doch nur noch, weil das Hotel sonst ein schlechtes Rating kriegt, jedes Werbegeschenk, damit man Kunde bleibt, bei uns Frauen sind Drinks an einer Bar, die wir nicht selbst bezahlen, meistens irgendwie sexuell gemeint; und sowieso, lieber schlägt man aus, sich helfen zu lassen, als irgendjemandem was zu schulden, lieber allein als dann auf ewig schlecht begleitet; lieber die Weinkiste selbst in den sechsten Stock tragen als die Nachbarn spontan raus klingeln; lieber selber googeln als nach dem Weg fragen, ja keine Abhängigkeiten schaffen, erst recht nicht gegenüber Fremden.»
(Aus dem Covid-19-Uhr-Newsletter der REPUBLIK, 16.12.2020)

Kindness ist auf Deutsch vielleicht nicht so leicht zu übersetzen. Leben lässt sie sich aber eigentlich sehr einfach. Es muss auch nicht immer ein Kaffee sein, manchmal reicht ein gutes Wort.
Kindness ist ein mächtiges Mittel, glücklich zu werden – und völlig kostenlos.

Machen Sie die Übung

Lassen Sie sich morgens eine völlig unerwartete Freundlichkeit einfallen und tun Sie es einfach. Beachten Sie, was dann mit Ihrer Stimmung passiert.

Happy Money

Geld macht uns glücklicher… wenn wir es verschenken (anstatt selbst behalten)!
Dies hat erstaunlicherweise mit $5 dieselbe Wirkung wie mit $20 :

Was die Leute vorhersagen…
..und was wirklich eintraf…

…und dies auch in allen untersuchten Ländern und Kulturen in gleicher Stärke (z.B. auch in Kanada und Uganda!):

Geber und Sammler

Manche Finanzmagnate streben nach Reichtum und verschenken dann in erstaunlichen Gesten der Menschenfreundlichkeit wieder viel davon. John D. Rockefeller und Andrew Carnegie waren das Vorbild, und Charles Feeney, Bill Gates und Warren Buffet sind moderne Paradebeispiele für diese Tugend. Rockefeller und Carnegie verbrachten beide die zweite Hälfte ihres Lebens damit, die Wissenschaften und die Medizin zu fördern, und sie spendeten viel von dem Vermögen, das sie in der ersten Hälfte ihres Lebens gemacht hatten, für Kultur und Erziehung. Sie schufen in einer späteren Phase ihres Lebens Sinn, nachdem sie in der frühen Phase um des Gewinnens willen Gewinne gemacht hatten.

Im Gegensatz zu diesen »Gebern« gibt es die »Sammler«: Sie glauben, dass der der Beste ist, der das meiste Spielzeug besitzt, wenn er stirbt. Ihr ganzes Leben kreist um das Gewinnen. Wenn sie verlieren, so ist das verheerend für sie, und sie geben ihr Spielzeug nicht her, es sei denn, sie können damit noch mehr Spielzeug einheimsen. Es ist unbestreitbar, dass diese Sammler und die Unternehmen, die sie aufbauen, vielen anderen die Möglichkeit geben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, eine Familie zu ernähren und selbst etwas Sinnvolles zu schaffen. Aber dies ist nur eine Nebenwirkung der eigentlichen Motivation des Sammlers, die darin besteht, zu gewinnen.
Das Gewinnen um des Gewinnens willen findet man also auch beim Streben nach Reichtum.

Geben ist seliger als Nehmen

Wer als freundlicher alter Mensch seine Zeit, seine Kraft und sein Wissen anderen zur Verfügung stellt, kann selbst sein Leben verlängern. In einer Studie von Stephanie Brown ging es zum einen um praktische Hilfe, Arbeiten im Haushalt, Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Mithilfe beim Hausbau , aber auch um emotionale Zuwendung wie zum Beispiel dem anderen zuhören, wenn er Probleme hat. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass es nicht darauf ankommt, was wir von anderen dabei bekommen. Ausschlaggebend ist, dass wir Zuwendung geben.

Alle wollen wir glücklich sein, aber was ist wirklich tief befriedigend im Leben?
„Denken Sie darüber nach, wie Sie helfen können“, hören wir als Antwort von Richard Ryan, einem der einflussreichsten Motivationsforscher. Denn anderen zu helfen, sagt Ryan, befriedige alle drei Grundbedürfnisse menschlichen Tuns:
Autonomie empfinden wir beim Helfen, weil wir uns mit unseren Werten in Einklang fühlen.
Kompetenz erleben wir, indem wir mit unserer Unterstützung tatsächlich etwas zum Guten bewirken.
Und durch nichts wird unsere Sehnsucht nach Verbundenheit schöner erfüllt, als wenn wir unseren Nebenleuten etwas geben, statt etwas von ihnen zu fordern.

Sei wohlwollend zu deinem Liebespartner

Es existieren spannende Studien, in denen den Gesprächen von Ehepaaren ein ganzes Wochenende lang zugehört wurde. Man unterschied die positiven (freundlich, konstruktiv, wohlwollende) von negativen (passiv, destruktiv, kritisierende) Aussagen.
Ein gewohnheitsmässiges Verhältnis von 1:3 bei einem Paar ist eine totale Katastrophe. 3:1 bedeutet, dass man auf eine Scheidung zusteuert. Es bedarf schon einer Rate von 5:1, um eine starke und liebevolle Beziehung vorhersagen zu können – fünf positive Aussagen für jede kritische Bemerkung, die man seinem Partner gegenüber macht.

Alles ist jederzeit FÜR mich

Doch ganz so einfach ist diese Zauberformel des Wohlbefindens dann doch nicht. Zufriedenheit ist eben doch mehr als die Summe der täglichen Wohlfühlmomente. Wahres Glück besteht nicht darin, ständig und überall „gut drauf“ zu sein. Glück ist ein Einverstandensein mit dem Leben, das „auch das Unglück mit umfasst“, wie es der Philosoph Wilhelm Schmid ausdrückt. „Wenn wir überlegen, was das Allerbeste und das Allerschlimmste war, das uns in den letzten Jahren widerfahren ist“, schreibt die Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky, „dann werden wir überrascht feststellen, dass es oft ein und dasselbe ist.“
Wenn ich „Vertrauen“ entwickle, dass alles zu jeder Zeit FÜR mich ist. Dass auch das grösste Unglück, unser Schicksal ein „Geschenk“ enthält – und nur mein Urteil, meine Wahrnehmung davon wichtig ist. Diese Gedanken und Gefühle sind abhängig von meinen Glaubenssätzen, die ich mit mir herumtrage, aber auch jederzeit wandelbar mit dem Stellen der Frage „Wozu ist das gut?„. Es stellt sich schlussendlich eine tiefe Dankbarkeit ein, für das, was ist. Pema Chödrön, eine buddhistische Nonne und Schriftstellerin:
Nichts verschwindet jemals, bevor es uns nicht gelehrt hat, was wir wissen müssen.

Kritik an der Positiven Psychologie: hier!

Quellen:

Veröffentlicht am 16. Januar 2021 von Dr. med. Thomas Walser
Letzte Aktualisierung:
05. Juli 2021