Burnout, die gestörte Fähigkeit zur Empfindung positiver Emotionen!

Das Standard-Messinstrument bei Burnout ist der Maslach Burnout Inventory, der 3 Dimensionen untersucht:
Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit.

Die Realität eines Menschen wird durch seinen Fokus bestimmt. Ganz ähnlich ist es mit dem Gefühl, das seine Wahrnehmung beeinflusst. Ganz oft, wenn wir uns leer und ausgebrannt fühlen, vergessen wir, dass sich dadurch, was wir wahrnehmen, verändert und achten nicht mehr auf die übrige Welt um uns herum. So erinnern sich etwa Personen, die sich gestresst oder ausgebrannt fühlen, bei einer Reihe positiver, neutraler und negativer Bilder mit erstaunlicher Detailtreue an das, was auf den negativen Bildern zu sehen ist, wo hingegen sie keine Fakten von den positiven oder neutralen Bildern zu berichten wissen.
Aus evolutionsbiologischer Sicht möge das auch sinnvoll sein. Wenn Sie auf der Flucht vor einem Säbelzahntiger sind, achten Sie vielleicht darauf, wer Sie noch gerne zum Mittagessen hätte oder was Ihnen bei der Flucht im Weg ist, aber Sie werden wohl nicht innehalten und einen schönen Regenbogen bewundern. Für das Überleben unserer Art ist das auch gut so, doch für das individuelle Wohlbefinden und Glück ist das verheerend.
Burnout ist im Grunde die gestörte Fähigkeit zur Empfindung positiver Emotionen – und Interventionen, die bei Burnout erfolgreich sind, haben offenbar alle etwas gemeinsam: Sie alle steigern die Fähigkeit einer Person, positive Emotionen zu erleben.

3 schöne Dinge“ gegen Burnout

Um dem entgegenzuwirken und Burnout zu lindern, testete ein Forscherteam unter Bryan Sexton an der Duke University School of Medicine in Durham, North Carolina, USA („3 schöne Dinge“: Simple Methode gegen Burnout lindert Symptomatik bei Ärzten und Pflegepersonal nachhaltig – Medscape – 11/2017) ein einfaches Programm mit dem Namen „3 schöne Dinge“.
Für die Untersuchung baten die Forscher jeden Freiwilligen darum, täglich vor dem Zubettgehen 3 schöne Dinge aufzuschreiben, die ihnen am Tage widerfahren waren, und ihnen eines von den 10 positiven Gefühlen zuzuordnen, die am ehesten bei einem Burnout beeinträchtigt sind: Freude, Dankbarkeit, Gelassenheit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen, Inspiration, Erstaunen und Liebe.
Dabei kann es sich auch um scheinbare Kleinigkeiten wie eine lustige Fernsehsendung oder die mit Freunden verbrachte Zeit handeln.
Es wurden unterschiedlich lange Interventionszeiträume getestet, doch meistens gingen sie über 7 bis 14 Tage, wobei 10 Tage der entscheidende Zeitraum zu sein schien, also 1 oder 2 Wochen jährlich Dauer genügen!
In manchen Settings haben die Teilnehmer ihre „3 schönen Dinge“ mit anderen Teammitgliedern geteilt, entweder online oder einfach auf ein Stück Papier geschrieben und an das Schwarze Brett der Abteilung gepinnt. Das Teilen scheint den positiven Effekt zu verstärken.
Auch wenn Personen nicht bereit sind, speziell am „3-schöne-Dinge“-Projekt mitzumachen, können die Abteilungsleiter die Vorteile des Ansatzes auf andere Weise kultivieren, indem es z.B. feste Verabredungen gibt, darüber zu sprechen, was bei der Arbeit gut funktioniert und nicht nur zu schauen, was sich verbessern muss. Die Leiter sollen sich zum Beispiel immer wieder mal erkundigen, was gut läuft und Wert darauf legen, diese Erfolge und die beteiligten Personen gezielt positiv hervorzuheben und zu „feiern“.
So verrückt es auch klingen mag, aber dadurch trainieren Sie Ihren ‚Muskel‘, der für die Wahrnehmung der guten Dinge in unserem Leben zuständig ist und Sie setzen damit den vielen anderen Dingen, die Ihr Gehirn immerzu drängen, sich auf die negativen Dinge zu konzentrieren, etwas entgegen.
In dieser Studie stellten die Untersucher einen Rückgang der Burnout-Symptomatik um 15% nach nur 2 Wochen fest (von 65% auf 50% im Maslach Burnout Inventory).
Ein Jahr nach der Intervention, waren immer noch 48% der Personen voll leistungsfähig.
Die Untersuchten klagten in den folgenden Untersuchungen auch signifikant weniger über Depressionen, Verspätungen, Konflikte und berichteten von einer bessere Work-Life-Balance.

 

>>> Lesen Sie auch meinen Beitrag über die Resilienz: www.dr-walser.ch/krise/