Humor ist eine Glücksdroge, die nichts kostet, legal ist, nicht dick oder abhängig macht und ausser Bauchschmerzen, feuchten Augen und Atemnot keine ernsthaften Nebenwirkungen hat.
Sitzen fünf Ärzte beim Stammtisch.
Steht der Augenarzt auf und sagt: „Ich gehe jetzt. Man sieht sich“.
Sagt der HNO-Arzt:“ Ich komm mit. Wir hören von einander“.
Sagt der Urologe: „Ich glaub, ich verpiss mich auch. Also piss bald!“.
der Anästhesist: „Schlaft gut!“.
Sagt der Frauenarzt: „Grüsst eure Frauen. Ich schau mal wieder rein“.
Ein guter Witz wirkt wie eine Droge, er löst im Gehirn eine ähnliche Reaktion aus wie Kokain oder andere Drogen. Dies fanden Forscher der Stanford University, als sie Freiwillige in einem Kernspintomografen listige Cartoons anschauen liessen. Mussten die Probanden heftig lachen, war der sog. „nucleus accumbens“ besonders aktiv, eine Hirnregion, die wohlige Gefühle verbreitet.
Noch etwas Gratisdope:
Ein älterer Herr pinkelt auf seine Schuhe. Er hadert mit seinem Zipfel: „Früher habe ich wegen dir meine ganzen Sohlen abgelaufen… und nun ruinierst du mir im Alter auch noch das Oberleder!“
Auch im Alltag kann Humor unglaublich lockern: Immer wieder mal probieren willentlich in ein Lockerheitsgefühl hinein gehen… braucht etwas Übung zwar, hilft jedoch wahnsinnig… oder mit einer „Humorsprache“ antworten (auch bei schwierigen, belasteten Themen), das kann die Situation ungemein auflockern…
Das Geheimnis einer langen und glücklichen Beziehung ist übrigens nicht, gemeinsam zu altern, sondern gemeinsam zu albern.
Wolkig aber heiter
„Die Heiterkeit, von der ich rede, ist etwas Dauerhafteres. Es handelt sich um eine grundsätzliche Sichtweise auf die Welt, auf uns selbst und andere, auf Leben und Tod. Es geht nicht um Verdrängung der Bedrohungen, denen wir uns gegenübersehen, sondern um die Frage, wie wir mit ihnen umgehen. Ob tiefer Ernst die einzig mögliche Sichtweise ist.
Drei Beispiele. Jemand (ich weiss nicht mehr, wer es war) hat mal vorgeschlagen, von den Figuren in Loriots Sketchen alles Komische sozusagen zu subtrahieren. Was bliebe? Zweifellos überaus traurige Gestalten, die nicht mal über ein Frühstücksei sprechen können, ohne an Mord zu denken, Menschen, über die man Alltagstragödien hätte schreiben können. Was Loriot nicht getan hat. Er hat das Komische in der Einsamkeit und Unfähigkeit gesehen und daraus nicht nur extrem Lustiges, sondern auch sehr Tröstliches gemacht. Denn wir erkennen uns in diesen Geschichten und sehen so, dass wir nicht allein mit diesen Problemen sind. Der Trost lautet: Wenn man es so sieht, dann ist es leichter, nicht wahr?
Zweitens möchte ich den Zeichner Sempé erwähnen. Auf vielen seiner Bilder ist um relativ kleine Menschen ungeheuer viel Platz, entweder leeres Weiss oder ein riesiger Strand, eine grosse Stadt, ein Haus mit vielen Wohnungen. Die kleinen Menschen sind immer intensiv mit dem beschäftigt, was sie gerade tun, hängen Gedanken nach, gehen spazieren, blicken aufs Meer hinaus oder lesen einen gerade geöffneten Brief, liegen im Schatten eines Baumes, an dem ihr Fahrrad lehnt, stricken, tanzen, legen sich Patiencen. Die Kinder scheinen im Spiel versunken und auf jene Art glücklich, wie man es nur als Kind sein kann. Das intensivste Gefühl, das ich spüre, wenn ich die Bilder sehe, ist das des Berührtseins von den kleinen Leuten im grossen Raum, der nie bedrohlich wirkt, sondern immer voller Hoffnung. Man sieht sich selbst. Und an schlechten Tagen, an denen die Welt mich mit Grau und Grauen niederdrückt, ist es, als habe jemand das Rad der Zeit zurückgedreht, als zeige er mir nicht nur, wo ich falsch abgebogen bin, sondern auch, wo ich besser entlanggegangen wäre und immer noch entlanggehen könnte.
Das Grossartige an Sempé ist: All die nicht schönen Gefühle, die zu unserem Leben gehören, sind in seinen Zeichnungen enthalten, irgendwo tief drin – aber sie sind verwandelt in etwas Glücklicheres. Es ist diese Verwandlung, die in den Bildern stattfindet. Sempé sagte einmal: »Man kann nicht leben, wenn man nicht heiter ist. Selbst wenn alles danebengeht, gibt es noch das Heitere. Man könnte es auch Lebensfreude nennen oder Seinsfreude. Und ohne Trost – das ist man sowieso; man ist vollständig untröstlich. Ich bin beides …« Ist das nicht wunderbar? Dass man begreift, dass es etwas gibt, über das man sich nicht hinwegtrösten kann, dass man es dennoch versucht, dass es immer wieder nicht gelingt und dann aber doch. Man kann beides sein, untröstlich und heiter, zugleich oder nacheinander, wie auch immer.
Drittens möchte ich an einen Film erinnern, der 1968 in die Kinos kam, „Zur Sache, Schätzchen“ hiess er. May Spils war die Regisseurin, Werner Enke und Uschi Glas waren die Hauptdarsteller. Wer ihn heute sieht, muss verblüfft sein von der Entspanntheit, mit der Leute damals ihr Handwerk ausübten. Es handelt sich um eine Komödie, berühmt für jene Sätze, die Martins, der Hauptfigur, Einstellung zum Leben reflektieren: „Es wird böse enden“ zum Beispiel oder der schöne Begriff „fummeln“. Martins Credo ist die Schlaffheit, die Unfähigkeit, etwas zum Fortgang der Menschheit beizutragen, ja, dies auch nur zu wollen. Der Film war reine Auflehnung, ohne sich auflehnend zu gerieren: gegen die Spiessigkeit der Nazi-Eltern und der Polizei, auch gegen die Langeweile der Cineastik und gegen den alles verwertenden Kommerz, gegen die Vernutzung des Menschen in der Gesellschaft. Stattdessen: Individualismus, Spiel, Freude an der Existenz ohne jeden Zweck. Eine Revolte der Leichtigkeit. Er öffnete ein Fenster zu einer mir bis dahin unbekannten Möglichkeit, das Leben zu sehen: heiter.
Was ich sagen will: Die Heiterkeit, von der ich rede, leugnet den Ernst der Welt nicht. Sie nimmt ihn auf und verwandelt ihn. Peter Ustinov hat mal gesagt: »Humor ist einfach eine komische Art, ernst zu sein.« Wie wollen wir diese Zeiten überstehen ohne das?
(Quelle: „wolkig aber heiter“, Interview mit Axel Hacke in DIE ZEIT, 37/23)
>>>Mehr heitere Gefühle hier auf meiner Website: www.dr-walser.ch/witz/
Letzte Aktualisierung von Dr. med. Thomas Walser:
28. Januar 2025
