Yoga, Tai Chi,… und Strukturelle Integration

Was kann ich mit Sicht aus der Strukturellen Integration (Rolfing) her betrachtet, von Yoga (und anderen asiatischen Bewegungslehren, wie Tai Chi, Qigong,… und Kampfformen, wie Karate, Judo, Kendo, Wendo,…) erwarten, falls sie „gesundheitlich günstig“ sein sollen – man könnte auch „ökonomisch“ sagen, d.h. schonend für unserer Gelenke, Sehnen und Muskeln?!

Ziele dieser Anwendungen, die häufig genannt werden, können unter Folgendem zusammengefasst werden:

  • Der „gleichmütige“ Geist des „Not to do!“, des Loslassens ist stärker, als das „To do!“ (Nicht schwimmen, sondern dich vom Fluss tragen lassen): Der Geist des Tao und des Zen.
  • Zentriert und stabil aus der Mitte (Hara, Kundalini, etc.).
  • „Aufrecht, biegsam und stark wie das Schilfrohr im Wasser oder wie der Bambus.“

bambus

Aus der Strukturellen Integration (n. Ida Rolf) kennen wir das Prinzip der unangestrengten, ökonomischen Bewegung (und Haltung) im Gleichgewicht mit Bewegungsbeginn durch Reduktion der vorhandenen aktiven Spannung im Körper. Ich „lasse mich Gehen“ (und meine Beine schwingen sekundär hinten nach) und gehe nicht aktiv (hinter meinen Beinen nach). Die „Gratiskräfte“ werden entdeckt und benützt (Schwerkraft und Stützkraft der Erde, elastische Spannkraft des Bindegewebes) und höchstens minimal die Muskelkraft und wenn, dann primär die intrinsischen, tiefen, achsennahen Kernmuskeln. Länger und weiter werden ist das Ziel. Zuviel aktive Muskelarbeit verkürzt und verspannt unsere Oberfläche und staucht unseren Innenraum. Ökonomische Bewegung ist ruhig, schwingend und geschmeidig (katzenartig). Die Stabilität unseres Körpers entsteht durch Länge und aus dem Bindegewebe (und bleibt dabei beweglich und elastisch) – und nicht mit Muskelkräftigung (mit der Gefahr von Steifigkeit und Enger-Werden): Lesen Sie dazu meine Blogbeitrag übers „Body Stocking“: walserblog.ch/2014/12/15/stabilitaet-durch-laenge/

Dieser Anfang mit Spannungsreduktion ergibt ein „Not to do!“, eine isometrische „Tiefenaktivierung“ (Stabilität aus dem Bindegwebecontainer und dem Core) ergibt also eine Zentrierung und die dabei gleichzeitig mögliche Entspannung (der Oberfläche), die Biegsamkeit des Bambus!
Dies ist auch eine Voraussetzung, dass unser Innenraum länger und weiter, unser Körper aufrecht und im Gleichgewicht sein kann (www.dr-wasler.ch/gleichgewicht.htm).

>>> förderlich dazu ist unter vielem Anderen:

  • Die Füsse beckenbreit und parallel… (dr-walser.ch/oekonomie_der_bewegung.pdf#page=2)
  • Die Hüftachse ist etwas hinter dem Lot (Tai Chi,…)…
  • Keine angespannte, äussere Bauchwand (Yoga,…)…
  • Und: nicht ZU aufrecht (bei „gehaltenem“, zu aufrechtem Stehen kommt das Becken nach vorn und man beginnt voll „in seiner Oberfläche zu hängen“ und damit die oberflächlichen Muskeln zu spannen (v.a. die äussere Bauchwand, Quadriceps und den Nacken) – damit verhindert man absolut die wichtige Tiefenaktivität und Zentriertheit! Füsse, Unterschenkel, Oberschenkel, Rumpf und Kopf sollten etwas eine Mittellinie in Form einer Zickzacklinie aufweisen. Unser Oberkörper weist dabei eine vorne konvexe Form auf (Brustbein senkrecht, Schultergürtel und Kopf liegen locker und balancierend oben drauf).

Über den interessanten Aspekt, dass unser „Core“ auch eine „Aussenseite“ hat, lesen Sie hier: www.dr-walser.ch/hubertgodard.pdf#page=4).

Wenn man bei den östlichen Bewegungs- und Kampfformen etwas Grundsätzliches bemängeln will, dann vielleicht der fehlende Bezug zum Alltag, zu unserer alltäglichen Bewegung und Haltung. Hier kann u.a. die Strukturelle Integration (Rolfing) und darin vor allem der aktive Teil der Bewusstseinsbildung (auch „Rolfing Movement“ oder „Normal Function“ genannt) ein sehr nützliches Bindeglied sein.