Verschlechtern Kortisonsalben mein atopisches Ekzem auf die Länge?

Neue Forschung zeigt das, was man schon lange vermutet hat: Kortisonsalben und -cremen soll man nur kurz auf sehr aktive Ekzeme auftragen und gleich (nach wenigen Tagen) wieder stoppen.
Genauer gesagt: Wenn in der Haut kein Gleichgewicht zwischen den Zusammenhalt der Hautzellen über die Desmosomen einerseits und der Abschilferung mit Hilfe von Proteasen andererseits besteht, wirkt sich das negativ auf die Schutz- und Barrierefunktion aus. Bei der atopischen Dermatitis liegt häufig eine Änderung der Protease-Gene vor. Dadurch sind die Proteasen, welche die Desmosomen auflösen, vermehrt aktiv. ist die Schutzfunktion dadurch erst einmal herabgesetzt, haben allergische Stoffe ein leichtes Spiel. Seife übrigens, lange schon bekannt als ein ekzemverschärfender Faktor, erhöht den pH-Wert der Haut und dadurch die Proteasen-Aktivität – damit ist geklärt, weshalb Lauge so schlecht für Atopiker ist.
Kortisonsalben nun brechen die Hautbarriere auf, indem sie ebenfalls die Proteasenaktivität vermehren! Allerdings spielen nicht nur innere Proteasen für das Aufflammen eines Ekzems eine Rolle, sondern beispielsweise auch solche aus Hausstaubmilben oder Bakterien. Bei einem schweren Aufblühen des Ekzems können die Kortisonsalben gegen diese äusseren Proteasen Nutzen entfalten. In Phasen milder Krankheitsaktivität dagegen überwiegt die Hautschutz beeinträchtigende Wirkung des Kortisons. Sie kann schon nach dreitägiger Behandlung einsetzen.
Dies ist v.a. beim Säugling in den ersten sechs Lebensmonaten sehr wichtig, da dort durch langzeitig angewendete Kortisonsalben das Immunsystem von der „humoralen Abwehr“ (TH2-Komponente) nicht in die „zelluläre Abwehr“ (TH1) wechselt (beim gesunden Kleinkind halten sich TH1 und TH2 nach dem zweiten Lebensjahr die Waage) und damit den sog. „atopischen Marsch“ auslöst, d.h. eine allgemeine Verschlechterung der Atopie, heisst Allergieneigung, z.B. tritt neben dem Ekzem nun auch eher ein Asthma auf!
Dass diese „Erkenntnisse“ prompt dann in Studienresultaten erscheint wenn die Pharmariesen Proteaseninhibitoren-Salben in der Pipeline bereit haben, ist wohl kein Zufall! Früher (d.h. im Zeitalter der Euphorie um die Kortisonsalben – und als man mit diesen auch noch Geld verdiente…) wurden alternativ denkende Ärzte wegen ihrer Kritik an der Kortisontherapie lächerlich gemacht!