Drei Lebensabschnitte mit drei Botenstoffe und dreierlei Glück

Der menschliche Körper produziert Morphium, einen Botenstoff, der ein Hochgefühl und tiefe innere Zufriedenheit auslöst. Doch es gibt noch zwei weitere Botenstoffe: Dopamin und Adrenalin. Dopamin, eine Vorstufe des Morphiums, erzeugt Vorfreude und flüchtige Glücksmomente. Adrenalin wird bei Stress ausgeschüttet, versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und hilft, Hindernisse zu überwinden. Adrenalin beeinflusst die Morphiumbildung und umgekehrt. Die Botenstoffe können ineinander übergehen: Aus Dopamin entsteht mithilfe von Adrenalin Morphium.

Diese biologische Logik wird klar, wenn man die U-Kurve der Lebensfreude betrachtet – die Wirkung der Stoffe passt zu den Lebensphasen. Dopamin steht für jugendliches Glück, Aufbruch, Ekstase und Lernen. Adrenalin symbolisiert das Meistern von Problemen, Leistungsstreben und steile Karrieren. Morphium bringt die Glückseligkeit des Alters.

Grösste Lebenszufriedenheit im Alter

Ein komplexes Wechselspiel zwischen Lebensabschnitt, Lebensumständen und der Konzentration der Botenstoffe führt dazu, dass bei Jungen besonders viel Dopamin ausgeschüttet wird, bei Mittelalten mehr Adrenalin und bei Älteren mehr Morphium.

Drei Arten von Glück je nach Alter

Das jugendliche Glück des Wollens (Wanting). Der Mensch entwickelt sich durch Erfahrungen. Sind es gute Erfahrungen, schüttet der Körper Dopamin aus, was Euphorie auslöst. In dieser Phase sind wir lernbereit und kreativ. Diese Hochmomente, in denen wir uns wach und glücklich fühlen, streben wir an. Also suchen wir immer wieder nach Erlebnissen, die diese Glücksgefühle hervorrufen. In jungen Jahren sind wir abenteuerlustig, neugierig und entwickeln uns ständig weiter.

Das Glück der mittleren Lebensphase ist das Nicht-haben-wollen, die Erleichterung. Hier geht es darum, Unglück und Stress zu vermeiden. Gelingt es, ein Problem zu umgehen, fühlen wir uns erleichtert und seufzen hörbar auf. Das Angstzentrum, die Amygdala, ist hier aktiv. In der mittleren Lebensphase zwischen 40 und 50 Jahren, wo uns oft Themen wie Karriere, Kinder, kranke Eltern, kriselnde Beziehungen, erste Verluste, Krankheiten und das Älterwerden stressen, geht es eher um Absicherung als um Abenteuer.

Das Glück des Alters ist das Gefühl, dass alles genau richtig ist: das Glück des Daseins, Zufriedenheit. Eigene Botenstoffe kommen hier zum Einsatz und schenken Gelassenheit. Es braucht alle Lebensphasen, um dieses Glück zu erreichen. Dopamin, das Lernen und Kreativität fördert, ist auch ein Baustein für die körpereigene Herstellung von Morphium. Dieses ist wichtig, um sich nach aktiven Phasen zu entspannen und Zufriedenheit zu empfinden. Es fördert das Glück älterer Menschen, im Moment zu sein.

Miswanting

Miswanting meint, sich darüber zu irren, was und wie sehr uns etwas in der Zukunft glücklich machen wird. Unser Hirn gibt uns diese problematische Vorstellung, dass wir bestimmte Dinge möchten, um glücklich zu werden. Damit liegen wir aber meist falsch und werden ständig fehlgeleitet.  Diese Dinge unten machen nämlich nach weiteren Studien höchstens mickrige 10% aus, die wir damit unser Wohlbefinden heben können.

Was bestimmt unser Wohlbefinden wirklich?

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Quellen: Glück – auch eine Frage des Alters
Foto von Dustin Humes auf Unsplash

Letzte Aktualisierung:
24. August 2024