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  • Was ist Glück? Wie werde ich glücklich?

    Was ist Glück? Wie werde ich glücklich?

    Der Baum ist zufrieden mit dem, was er ist…

    „Der Gipfel des Glücks ist dies: das sein zu wollen, was man ist.“ ~ Erasmus von Rotterdam

    Ein Baum ist völlig zufrieden mit dem, was er ist, ebenso wie meine Katze und der Regen, der an diesem Morgen trostlos fällt. Wenn ich bereit wäre, meine „wahre Natur“ zu akzeptieren, wäre ich überglücklich. Meine wahre Natur hat jedoch keine der Eigenschaften, die ich so sorgfältig gehegt und gepflegt habe und schätze; mein kostbares, vergeistigtes Ego spürt eine „Niederlage“ und nimmt Anstoss daran.
    Ich will sein, was ich bin UND ich will sein …. (gesund, gemocht, wichtig, reich, usw. usw… Füllen Sie die Lücke mit weiteren Adjektiven aus…).
    Das ist genau so verrückt wie wenn der Baum denken würde: „Es ist ja schon in Ordnung, eine Eiche zu sein, aber ich möchte auch ein Adler sein!“.

    Ja:

    Der Gipfel des Glücks ist erreicht, wenn der Mensch bereit ist, zu sein, was er ist

    Bereit zu sein, zu sein, „was ich bin“, bedeutet, bereit zu sein, alle Anhaftungen aufzugeben, einschliesslich einer sorgfältig versteckten Anhaftung an die Idee, „glücklich zu sein“!
    Aller Schmerz kommt von Anhaftung. Nicht-anhaftend zu sein ist nicht dasselbe wie gleichgültig zu sein.
    Völlige Nicht-Anhaftung ist eine Voraussetzung für das Lieben, und Lieben ist nur ein anderes Wort für den „Gipfel des Glücks“. Ein Kinderspiel?
    (Gedanken angeregt von Diderik Wolsak – Herzdank!)

    Die hedonische Tretmühle

    Es ist völlig in Ordnung, Träume zu haben und unmögliche Ziele zu verfolgen. Aber es lohnt sich auch zu bedenken, dass alles im Leben nur vorübergehend ist. Es gibt etwas, was Psychologen die “hedonische Tretmühle” nennen: Wann immer Sie etwas erreichen, gibt es immer irgendein weiteres Ziel, das Sie erreichen möchten. Das Erreichte wird schnell schal. Und so läuft man immer im Kreis, immer auf der Suche nach dem nächsten Ziel und wird nie glücklich und zufrieden sein. Wenn Sie das einmal erkannt haben, dann ist es an der Zeit zu fragen: Was ist wirklich wertvoll – nicht nur für mich, sondern für möglichst viele Menschen, ob sie mir nahestehend sind oder nicht.

    Zum Schluss noch Theodor Fontane. Der Schriftsteller und Journalist hat offenbar schon damals gewusst, wie es besser geht. Er soll gesagt haben: »Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen.«

    Ist Sinn wichtiger als Glück?

    „Der eigentliche Sinn des Lebens ist nicht, glücklich zu sein. Er ist, nützlich zu sein, ehrenhaft zu sein, mitfühlend zu sein, und es soll einen Unterschied machen, dass man gut gelebt hat.“ ~ Ralph Waldo Emerson ~

    „Sinn toppt Glück“, sagt auch der Lebenskunstphilosoph Wilhelm Schmid:
    „Sinn ist wichtiger als Glück – und er ist auch da, wenn wir unglücklich sind.“
    Sind Sie 365 Tage glücklich über Ihre Kinder? Nein, sagen Sie, die nerven auch.
    Warum werfen Sie die dann nicht raus? Ich kann Ihnen sagen, warum Sie das nicht tun: Weil Sie Sinn in diesen Kindern sehen. Sinn ist wichtiger als Glück und er ist auch da, wenn Sie unglücklich sind. Das ist ein Gedankengang, der Menschen regelmässig überzeugt. Sie entdecken ihn auch, wenn Sie über Beziehungen nachdenken. Sind Sie in Ihrer Beziehung permanent glücklich? Nein, denn es kommt Ärger vor. Was liegt also näher als zu sagen: Zu einer Beziehung kann Ärger und Glück gehören. Und warum gehe ich nicht, wenn mich der andere nervt? Weil ich Sinn darin sehe, mit ihm zusammen zu sein. Das ist ein weiterer Hinweis dazu, dass Sinn wichtiger als Glück ist.
    (Weiterlesen: www.meisterstunde.de/sinn-ist-wichtiger-als-glueck-und-er-ist-auch-da-wenn-sie-ungluecklich-sind/)

    Warum manchen Menschen alles leichterfällt

    Wiederholte Erfahrungen von Kontrollverlust und Machtlosigkeit können dazu führen, dass Menschen aufhören, ihre Situation zu verbessern. Das bedeutet, dass Menschen, die mit einem Rucksack voller ungünstiger Erfahrungen ins Leben starten, Gefahr laufen, die Hürden des Lebens schlechter zu meistern oder dies erst lernen müssen.

    Das freut natürlich Karriere- und Motivationscoaches, die glauben, weil sie einmal barfuss durch die Serengeti gewandert sind, die Welt mit ihren „Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst“-Parolen beglücken zu müssen. Es gibt gute Gründe, dieser Zunft skeptisch gegenüberzustehen.

    Doch vielleicht haben sie in einem Punkt ein wenig recht: Manchmal erscheinen die Hürden, die sich vor uns auftürmen, tatsächlich höher, als sie sind. Jedenfalls gibt es selten einen Grund, winselnd vor ihnen liegen zu bleiben.

    Ist Glück eine Entscheidung?

    Ist es nicht wunderbar, dass es immer andere Möglichkeiten gibt, etwas zu sehen. Die Art und Weise, wie ich das sehe, ist genau umgekehrt: Der Sinn des Lebens IST es, glücklich zu sein, und aus diesem Glück fliesst ein Leben des Nützlich-Seins, des ehrenhaften, mitfühlenden Lebens. Wenn ich nicht glücklich bin, was würden all diese lobenswerten Verhaltensweisen wirklich Gutes bewirken? Wenn ich mich weigere, Liebe zu empfangen, wie kann ich dann einen anderen wirklich lieben? Wenn ich das Selbst nicht liebe, stellt ein solches Verhalten kaum mehr als eine Investition dar, und das Ego wartet auf die Rückzahlung und zählt mit.
    Sie können sicher sein, dass ich aus einem chronischen Defizitzustand heraus operiere. Ich bin nicht „glücklich“, weil ich in einem grossartigen Beruf meine „Arbeit“ verrichten konnte und auch in meinem Alter gesund bin. Nein, ich befinde mich hier und konnte dies leben, weil ich glücklich bin. Ich bin nicht glücklich, weil ich eine wunderbare Liebste habe. Nein, ich bin glücklich, weil ich glücklich bin, dass sie in meinem Leben ist.
    Haben Sie keine Angst, das Glücklichsein zum einzigen Zweck Ihres Lebens zu machen, wir alle werden von dieser Entscheidung profitieren.

    Handeln als Heilmittel?

    Sich für das Glücklichsein zu entscheiden, ist also möglich, nämlich dann, wenn wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen und unsere Sicht auf diejenigen Bereiche unseres Lebens ändern, die wir kontrollieren können. Das zumindest meint der Philosoph Émile Chartier, besser bekannt unter seinem Pseudonym Alain. In seinem Buch Propos sur le bonheur (dt. etwa: Ein paar Worte über das Glück) aus dem Jahr 1925 vertritt er die These, dass im Glück wesentlich mehr Wille steckt als wir denken und der Weg zu wahrem Glück nicht über die Gedanken führt, sondern nur durch Handlungen zu erreichen ist. Seine Argumentation ähnelt dabei der einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Wer sich der Möglichkeit des Glücks offen hingibt, findet durch, nun ja, glückliche Zufälle eher wieder Freude am Leben als jemand, der die Dinge zu sehr zerdenkt. In lakonischer Manier hält er entsprechend fest: „Das erste Mittel gegen die Übel des Denkens ist, Holz zu hacken“.

    Doch können uns nicht auch physische Tätigkeiten entfremden und unglücklich machen? Auf der einen Seite wäre da doch die Büroarbeit, die für viele Menschen alles andere als Erfüllung verspricht. Auf der anderen kann sich auch das beschriebene Zerkleinern von Brennholz als Problem herausstellen, wenn man doch eigentlich etwas anderes tun müsste, weil die Deadlines immer näher rücken.

    Gegenüber solchen Bedenken wendet Alain ein, dass uns das Handeln nur dann wieder zurück in die richtige Spur bringen kann, wenn die Probleme nicht existenziell erdrückend sind. Ereilt einen allerdings eine veritable Katastrophe, so würde kein Tipp zum Glücklichsein mehr helfen. Die Kunst des Glücklichseins kann zwar gelehrt werden, aber eben nur, wenn „die Bitterkeit des Lebens auf kleine Ärgernisse und Unannehmlichkeiten reduziert“ ist. Glück als Entscheidung zu begreifen, ist also überaus zweischneidig. Denn auf der einen Seite wirkt man vermutlich erfolgreich auf andere, wenn man ihnen stets optimistisch begegnet und das Glück auf seiner Seite wähnt. Auf der anderen Seite könnte man durch seine Entscheidung, vom Glück beschenkt zu sein, auch schnell arrogant wirken. Selbst wenn eine Entscheidung zum Glücklichsein also möglich wäre, bleibt die Frage, wie sich dieser schwierige Spagat bewerkstelligen liesse. Und wäre das nicht vor allem schon wieder ziemlich stressig?

    Ziele zu erreichen, macht nicht unbedingt glücklich 

    Menschen setzen viel Energie ein, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, und strengen sich dabei enorm an – sind aber innerlich oft so »verstimmt«, dass selbst der Erfolg kein Glück bringt. In solchen Fällen ist es wichtig, die eigene Stimmung in den Fokus zu rücken. Statt konkrete Ziele wie »Karriere machen« oder »eine gelingende Beziehung haben« zu verfolgen, sollte man erkennen: Zufriedenheit entsteht nicht durch Zielerreichung, sondern durch einen grundlegenden Stimmungswandel. Denn die Freude über erreichte Ziele währt meist nur kurz. Bald streben wir das nächste Ziel an und wollen immer mehr. So führt das Erreichen eines Ziels oft nur zu neuer Unzufriedenheit. 

    Statt sich auf ferne (Traum-)Ziele zu konzentrieren, ist es sinnvoller, die eigene Grundstimmung zu überprüfen. 

    Bild dazu: Auf einer verstimmten Gitarre können Sie nie ein gut klingendes Stück spielen, selbst wenn Sie ein guter Spieler sind. Sie erreichen Ihr Ziel erst, wenn die Gitarre »gut gestimmt« ist! 

    Was ist hier mit Ge- oder Verstimmtheit gemeint? 

    Eine dauerhafte Verstimmung resultiert aus einer grundsätzlich negativen Haltung dem Leben gegenüber. Man ist leicht genervt und ärgert sich über Kleinigkeiten. Der Verstimmte sieht die Welt durch eine dunkle Brille, erkennt überwiegend das Negative und bleibt blind für positive Entwicklungen. Mit einer positiven Grundstimmung hingegen begegnet man dem Leben aufgeschlossen und erkennt eher das Helle und Mutmachende. 

    Das bedeutet nicht, dass Sie schlechte Nachrichten ignorieren und ständig gute Laune haben sollen. Vielmehr geht es darum, konstruktiv mit Kritik umzugehen und Chancen in unerwarteten Situationen zu erkennen. Auch Gefühle wie Trauer, Wut oder Angst gehören zum Leben. Die Frage ist jedoch, wie Sie mit diesen Gefühlen umgehen: Bleiben Sie in ihnen stecken und verstärken sie durch Grübeleien, oder können Sie sie wieder loslassen? Der erste Schritt, um solche Gefühle loszulassen, ist, so paradox es klingt, sie erst einmal richtig anzunehmen und zu durchleben. 

    In 5 Schritten zur »gehobenen Gestimmtheit«

    1) Eigene Wahrheiten und Rechthaberei loslassen 

    Menschen klammern sich oft an ihr Rechthaben, weil es das vermeintlich Einzige ist, das ihnen bleibt. Doch damit blockieren sie sich selbst und verwehren die Chance, sich und die Dinge zu verändern. Mit einer positiven Grundstimmung sind Sie offener und weniger besorgt um Ihre Sicherheit. Sie lassen auch andere Wahrheiten gelten, um zu neuen Lösungen zu kommen. 

    2) Mehr Mut und Risikobereitschaft 

    In der modernen, sich schnell wandelnden Welt sind Mut und Risikobereitschaft unabdingbar, um Herausforderungen zu bewältigen. Wer innovativ sein und sich verändern will, muss die Komfortzone verlassen. Das tut man aber nur, wenn man auf ein positives Ergebnis hofft und bereit ist, ein Wagnis einzugehen. 

    3) Besserer Umgang mit Niederlagen 

    Das ist eine entscheidende Voraussetzung für Erfolg. Studien zeigen, dass erfolgreiche Menschen nicht unbedingt begabter, intelligenter oder disziplinierter sind als andere. Ihr Vorteil ist vielmehr, dass sie Niederlagen schneller wegstecken. Man nennt das mentale Stabilität oder Resilienz. 

    4) Mehr Mitgefühl und Offenheit für andere 

    Das zeigt das sogenannte Gute-Samariter-Experiment, das die Psychologen John M. Darley und C. Daniel Batson 1973 an der Universität Princeton durchführten. Studierende sollten vor einem Vortrag einen Innenhof durchqueren und wurden vorab in drei Gruppen unterteilt: Einer Gruppe wurde gesagt, dass sie sich Zeit lassen kann, einer, dass sie bereits erwartet werden, und einer, dass sie spät dran seien und sich beeilen sollen. Auf dem Weg sahen sie einen zusammengesunkenen Mann am Boden liegen, der jämmerlich hustete und stöhnte. Wer blieb stehen und wurde dadurch selbst zum guten Samariter? Vor allem die Personen, die entspannt waren und dachten, sie hätten noch viel Zeit. Unser Mitgefühl hängt also massgeblich von den Umständen und unserer Verfassung ab – mit positiver Stimmung und innerer Ruhe geht auch mehr Empathie einher. 

    5) »Gehobene Gestimmtheit« ist gesund 

    Stress und Angst belasten das körpereigene Abwehrsystem und machen uns anfälliger für Krankheiten. Das gilt vor allem für Menschen, die sich dauernd unter Druck gesetzt und chronisch gestresst fühlen. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort »fühlen«. Denn was wir als »Stress« empfinden, ist höchst subjektiv. Doch wer auch solchen Stress-Momenten positiv begegnet, leidet deutlich weniger darunter als jene, die sie nur als Übel betrachten und darüber klagen.

    „Okay“ wird das neue „perfekt“!

    Oft, so scheint uns, verknüpfen wir Glücksgefühle entweder mit totaler Ausgelassenheit und grosser Erregung oder aber mit totaler Entspannung. Wenn wir von Momenten des Glücks erzählen, beschreiben wir in der Regel extreme, aufregende, perfekte Situationen. Situationen, in denen wir «atemlos» waren oder «tiefenentspannt». Das Narrativ unserer Zeit ist das Überhöhte.
    Aber was, wenn es im Leben gar nicht um das Besondere geht, sondern um das Durchschnittliche? Wenn nicht Aufregung, sondern Stabilität uns gut tut? Wenn «okay» das neue «perfekt» wäre?

    Copyright „DAS MAGAZIN“

    Genügsamkeit: Gut genug

    Welcher Job verspricht am meisten? Wer ist der ideale Partner? Was ist die höchste Leistung, die ich erreichen kann? Wir jagen nach Perfektion, wollen unser Leben und uns selbst optimieren.

    Doch es gibt eine Alternative, sagt der Autor Avram Alpert: das „good enough life“ – ein Leben, das nicht perfekt, aber gut genug ist. Im Buddhismus nennt man es den mittleren Weg, schreibt Alpert: ein Leben, das weder im Materialismus versinkt noch in Askese erstarrt.

    Das Wort „satisfice“, eine Mischung aus „satisfy“ (befriedigen) und „suffice“ (ausreichen), beschreibt eine Lösung, die genügt. Oft ist sie die beste Wahl, wenn man die Mühe bedenkt, die eine endlose Suche nach Alternativen kostet. Das kann auch heissen, sich nicht für eine Ehe zu schämen, die „gut genug“ ist. Der ständige Vergleich mit anderen macht unglücklich.

    Das hat auch Melissa aus New York begriffen. Als Teenager schien sie das perfekte Leben zu führen: Top-Noten, einen attraktiven und liebevollen Freund, verständnisvolle Eltern, sportliche Erfolge. „Ich wünschte, ich wäre du“, sagten andere. Doch Melissa zweifelte, wie sie in Psychology Today erzählte. Sie wollte klüger, schneller, dünner, besser sein – sich selbst übertreffen. Nach einer Phase von Depressionen und Drogen zog sie Bilanz. Sie erkannte, dass sie längst alles hatte, was sie brauchte. Heute lautet ihr Mantra: „Ich bin dankbar, ich zu sein. “

    Es gibt keinen universellen Weg zum guten Leben. Jeder muss den finden, der zu ihm passt.

    Intellektuelle Bescheidenheit

    Das habe ich nicht gewusst

    Schülerinnen und Schüler lernen motivierter, wenn ihre Lehrkräfte intellektuell bescheiden sind und Fehler oder Verwirrung zugeben. Fünf Studien mit rund 1500 Teilnehmenden belegen dies. Die Forscherin und zwei Forscher folgern: Lehrkräfte, die eigene Fehler eingestehen und nicht alles wissen, vermitteln Schülerinnen, dass auch ihre intellektuellen Grenzen akzeptiert werden. Dies weckt ihr Interesse, selbst zu lernen und Fragen zu stellen. Sie erkennen, dass man nicht brillant sein muss, um im Leben erfolgreich zu sein.

    In Experimenten und Befragungen stellten sich die Teilnehmenden – Oberstufenschülerinnen und -schüler oder College-Studierende – vor, sie nähmen am Mathematikunterricht teil. Sie lasen Szenarien mit verschiedenen Lehrkräften. Das Ergebnis: Zeigten sich die Lehrkräfte intellektuell bescheiden, waren die Studierenden und Schüler eher bereit, eigene Irrtümer oder Unwissenheit zuzugeben.
    (Tenelle Porter, Mark Leary, Andrei Cimpian: Teachers’ intellectual humility benefits adolescents’ interest and learning. Developmental Psychology, 2024. DOI: 10.1037/dev0001843)

    Was macht ein Menschenleben zu einem erfüllten Leben?

    Friedemann Schulz von Thun hat ein neues Denkmodell ersonnen, das den Lebenssinn erforscht. Er nennt es das „5-Felder-Modell“, das der Frage nachgeht: Was macht ein Menschenleben zu einem erfüllten Leben? Er rückt also ab von seinem bisherigen Lieblingsthema „Zwischenmenschliche Kommunikation“ und richtet den Blick nach innen. Je mehr die Tiefendimension jedes Feldes von uns erschlossen wird, desto erfüllter ist unser Leben. 

    Er nennt die Felder:

    • Wunscherfüllung, 
    • Sinnerfüllung, 
    • biografische Erfüllung, 
    • Daseinserfüllung und 
    • Selbsterfüllung. 

    Ihnen liegen die folgenden Fragen zugrunde: 

    • Welche Träume konnte ich leben? 
    • Was hat mein Umfeld mir zu verdanken? 
    • Wie ist mein Leben verlaufen? 
    • Was bedeutet es für mich, geboren zu sein und zu sterben? 
    • Wie wird man mich in Erinnerung behalten?

      Weiterlesen: Friedemann Schulz von Thun: Erfülltes Leben. Ein kleines Modell für eine große Idee; Hanser, München 2021

    Gute Beziehungen machen glücklicher, gesünder und lassen uns länger leben

    Die Harvard Study of Adult Development (HSAD) begann bereits 1938 und darin werden Menschen und ihre Familien über bisher 3 Generationen weg auf ihr Glücksbefinden beobachtet und befragt. Das eindeutige Resultat: Die Beziehungen verbessern in erster Linie unser Wohlbefinden! Ein Leiter dieser Studie Bob Waldinger, Psychiatrieprofessor an der Eliteuniversität Harvard hat nun mit seinem Berufskollegen Marc Schulz ein Buch darüber verfasst: „The Good Life“. Es bietet auch praktische Ratschläge, wie brachliegende Beziehungen aktiviert werden können und so zu mehr Glück führen. Fünf davon sind hier aufgeführt:

    1. Eine fremde Person ansprechen: Ein kurzes Gespräch („Small Talk“) mit dem Postboten, der Kassiererin oder der Barista, führt immer zu mehr Wohlbefinden.
    2. Der Acht-Minuten-Anruf: Denken Sie an jemanden, den Sie vermissen und greifen Sie gleich zum Telefon und machen Sie Nägel mit Köpfen. Wieso 8 Minuten? Weil in dieser Zeitspanne so viel gesagt werden kann, dass das Bindungs- und Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet wird.
    3. Sie und die sozialen Medien: Vergleiche sind dort am stärksten… und machen weniger glücklich. Schluss: Nicht passiv konsumieren, sondern in Kontakt treten und Beiträge kommentieren. Machen Sie auch Ferien vom Internet. Eine Stunde, ein Tag, ein Wochenende.
    4. Die Menschen von der Arbeit: Mit unseren Arbeitskollegen verbringen wir meist die grösste Zeit unseres Lebens – mehr als mit Familie und Freunden. Versuchen Sie diese Zeit zwischenmenschlich zu nutzen. Fragen Sie aufmerksam nach. Fragen Sie über die private Welt nach: Kinder, Freizeit, Partnerin… Machen Sie einen kurzen Spaziergang zusammen…
    5. Verschriftlichen Sie Ihre Dankbarkeit: Denken Sie an Menschen, die Sie mögen. Wofür würden Sie ihnen danken? Schreiben Sie es auf und senden Sie es ab – oder sagen Sie es denen. Die glücklichsten Menschen, das zeigt die Harvard-Studie, nehmen sich Zeit, die Menschen, die sie mögen, ausdrücklich zu würdigen.

    Ehrfürchtiges Staunen

    Ehrfurcht öffnet einen besonderen Zugang zu Sinn und Glück im Leben – für jeden und überall erreichbar. Sie beruhigt, schärft den Blick für die eigenen Ziele und verbindet mit der grösseren Geschichte des Lebens. Acht Wunder des Lebens Forscher haben acht „Wunder des Lebens“ identifiziert – Erlebniskategorien, die Ehrfurcht auslösen.
    Welche sind die wichtigsten? >>>

    Bedürfnishierarchie und Perspektivenwechsel

    Um es klarzustellen: Wir bewegen uns hier an der Spitze der Maslowschen Bedürfnispyramide, da in unserer Ersten Welt die Basisstufen satt befriedigt sind. Wir können uns also (elitär?) mit Werten wie „Selbstoptimierung“ oder Selbstverwirklichung“ befassen…

    Dynamische Darstellung der Bedürfnishierarchie – Überlappungen sind dabei möglich und zu einem Zeitpunkt oft mehrere Bedürfnisse (aus verschiedenen Kategorien) aktiv.
    (aus Wikipedia).

    Weiterlesen:

    Quellen:
    Kindness: Geben ist seliger den Nehmen!
    Drei Arten Glück in unserem Leben
    – Ist Glück eine Entscheidung?, Nicolas Tenaillon im Philosophie-Magazin, 11/21

    Baum der Entscheidung
    Sinn ist wichtiger als Glück -und er ist auch da, wenn wir unglücklich sind, Wilhelm Schmid

    Letzte Aktualisierung durch Thomas Walser:
    26. September 2025

  • Nicht was wir erleben, sondern wie wir wahrnehmen was wir erleben, macht unser Schicksal aus

    Nicht was wir erleben, sondern wie wir wahrnehmen was wir erleben, macht unser Schicksal aus

    „Die Ursache des menschlichen Leidens sind nicht die Dinge, sondern die Meinungen über die Dinge.“ – Michel de Montaigne

    Wir sind keine „Opfer“ unseres Schicksals. Nicht WAS wir erleben, sondern WIE wir wahrnehmen was wir erleben, macht unser Schicksal aus! Dies hat schon Alfred Adler, den ich sehr wertschätze, so gesehen.
    Man darf sogar – analog unserer Wut (Niemand kann dich wütend machen, ausser Du selbst!) – von unserem Glück (aber auch der Angst) behaupten:
    Niemand kann dich glücklich oder ängstlich machen, nur du dich selbst!

    Projection creates Perception – Projektion erzeugt Wahrnehmung

    Projektionen (meines Innenlebens, meiner Urteile und Glaubenssätze auf die äussere Welt) kreieren meine Wahrnehmung.
    Ich sehe nicht die Welt, wie sie ist, sondern wie ich bin! Ich werde es sehen sobald ich es glaube. Nur das Ego will es umgekehrt. Ich werde immer nur meine Projektionen in der Welt erblicken. Ich bewege mich in meiner Echoblase. Ich unterliege dem häufigstens Denkfehler des Menschen, dem Bestätigungsdenkfehler: Nur das, was meine Welt, mein Glaube bestätigt, kann ich sehen. Den ganzen Rest vermeide ich, zu sehen.
    Ändere deine Gedanken, deine Glaubenssätze… und die Welt ändert sich.

    Wie schaue ich auf diese Welt? Welchen Gedanken höre ich zu? Welchen Wolf füttere ich?

    Erinnere Dich also täglich daran, dass es keinen Weg zum Glück gibt. Das Glück selber IST der Weg, eine Lebenshaltung, ein Entscheid! Ich kann mich entscheiden und meine Ansichten und Gedanken und Urteile über die Welt da draussen und über mich verändern. Dies ist wohl das Einzige, was wir überhaupt verändern können! Ich kann mein „Glück-Selbst“ füttern – ich kann aber auch, sobald ich glaube, dass mir jemand Schaden zugefügt hat, das „Opfer-Selbst“ füttern. Und dieses Selbst hat einen unersättlichen Appetit!

    Kernüberzeugungen

    Doch manchmal haben die Menschen einen festen Glauben (wie die Welt und die „Wahrheit“ sein soll), der sehr stark ist. Wenn ihnen Beweise vorgelegt werden, die gegen diesen Glauben arbeiten, können sie kaum akzeptiert werden. Es würde ein Gefühl erzeugen, das extrem unangenehm ist (kognitive Dissonanz). Und weil es so wichtig ist, die Kernüberzeugung zu schützen, werden sie alles rationalisieren, ignorieren und sogar leugnen, was nicht genau dazu passt.

    Meine Kernüberzeugungen sind eigentlich das, was ich denke, dass ich bin, also meine Identität, mein Ego. Kein Wunder, dass ich meinen Glauben verteidigen, schützen, rationalisieren und dabei alle Beweise ignorieren oder leugnen werde, die diesen in Frage stellen. Niemand kann mich von einer Wahrheit überzeugen, die ich nicht will.

    Copyright Psychologie Heute

    Alltägliche Störungen, der kleine (und grosse) Ärger sind die Brotkrümel zum Glück

    Dies sind die kleinen Irritationen im Alltag, die nicht zu unseren Kernüberzeugungen passen – und die Licht auf meinen Weg zum Glück, zu Innerem Frieden werfen können. Der Alltag wird zu unserem Lehrmeister.

    Der Sechs-Schritte-Prozess, den ich vor Kurzem beschrieben habe, kann dabei zur wunderbaren Hilfe werden: walserblog.ch

    Versuche nicht die Welt oder deinen Partner zu verändern; verändere deine Wahrnehmung über die Welt

    Glück kann man auch in den dunkelsten Zeiten finden, wenn man nur daran denkt, das Licht einzuschalten. Wie stelle ich das Licht ein? Indem ich still bin; indem ich meinen Gedanken nicht glaube; indem ich nicht auf mein unaufhörliches Urteilen und Richten achte.

    Mehr noch: Wenn du eine Lampe für jemanden anzündest, wird es auch deinen Weg erhellen. Man könnte sogar sagen: Der einzige Weg, meinen Weg zu beleuchten, besteht darin, deinen zu beleuchten. Wenn ich unseren Weg nicht als eng miteinander verbunden erkenne, wird es nicht genug Lampen auf der Welt geben, um Licht auf meinen Weg zu bringen. Dein Lebenspartner wirkt wie ein Leuchtturm, der meist auch Gebiete erleuchtet, die durch Dein Licht im Dunkeln liegen. Diese Unterschiedlichkeiten werden mit diesem Bild als Bereicherung der eigenen Welt – und nicht mehr als Störungen erlebt.

    Unsere Gedanken befreien – in der Meditation

    Wenn wir ruhig und bequem mit gerader Wirbelsäule und halb oder ganz geschlossenen Augen dasitzen und meditieren, steigen Gedanken in uns auf – zornige Gedanken, glückliche Gedanken, beunruhigende Gedanken, angenehme Gedanken –, aber wir kümmern uns nicht um sie. Wir verkrampfen uns nicht, wir reagieren nicht, wir leisten keinen Widerstand und achten nicht auf sie. Wir sitzen einfach nur da. Dabei entdecken wir, dass Gedanken auftauchen und wieder verschwinden wie Wolken oder Vögel am Himmel oder Wellen im Ozean. Wenn uns klar wird, wie flüchtig und vergänglich unsere Gedanken sind, dann erkennen wir unser eigenes wahres Wesen im Schweigen, jenseits aller Worte, jenseits aller Gedanken.

    Copyright Psychologie Heute

    Konstruktivismus in Zeiten des Coronavirus

    Doch… Konstruktivismus erklärt nicht alles! Es ist immer auch ein Misch-Masch zwischen einer „realen Wirklichkeit“ (dem Coronavirus!) und dem Konstruierten, Projizierten…
    Meine Lieblings­definition der Wirklichkeit stammt vom kanadischen Philosophen Charles Taylor (*1931):
    „Real ist das, womit man fertigwerden muss, was nicht allein deshalb verschwindet, weil es nicht den eigenen Vorurteilen entspricht. Aus diesem Grund ist das, was man im Leben unweigerlich in Anspruch nehmen muss, etwas Reales bzw. etwas so annähernd Reales, wie man es zurzeit erfassen kann.“ (Aus: Charles Taylor, «Quellen des Selbst», S. 117)
    Davon gibt es eine Populärversion von John Lennon: «Life is what happens to you while you’re busy making other plans.» Nach diesen Definitionen ist das Coronavirus ungemein wirklich. Wir müssen mit ihm fertig werden, obwohl wir andere Pläne hatten. (Daniel Strassberg, 31.3. in der Republik)

    Die Illusion der Unveränderlichkeit

    Das Statement einer simplen „Es ist, wie es ist“-Ideologie oder das „Wir haben keine Kontrolle darüber, was uns im Leben passiert, aber wir haben Kontrolle darüber, wie wir darauf reagieren“ mag in seiner radikalen Einfachheit zunächst einleuchten, doch in Verbindung mit dem fast solipsistischen Individualismus, den viele in den Social Medias propagieren, wird es zum Aufruf, sich einem feindlichen System anzupassen. Es fordert, den grösstmöglichen persönlichen Vorteil innerhalb dieses Systems zu suchen. Indem das Individuum stillschweigend mit dem „Unternehmer seiner selbst“ gleichgesetzt wird – ein Produkt der neoliberalen Ökonomie –, erklärt man alles ausserhalb dieses Individuums zur Natur und damit zur Unveränderlichkeit.

    Diese vermeintliche Natur wird zusätzlich durch den Rückgriff auf die Antike verstärkt, nicht auf die Philosophie der kapitalistischen Moderne. So entsteht der Eindruck einer überhistorischen Wahrheit. Wie das Römische Reich heute oft als Karikatur soldatisch-disziplinierter Männlichkeit erscheint, wird die Stoa als Zerrbild misogyn-individualistischer Grind-Ökonomen dargestellt. Die zentrale Botschaft, das Selbst auf innere Freiheit zu reduzieren – unabhängig vom Urteil anderer –, und die Reduktion aller Inhalte auf ihre Vermarktbarkeit in sozialen Medien widersprechen sich dabei nicht. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille: Wir sind am empfänglichsten für Verkaufsstrategien, wenn wir nicht merken, dass uns etwas verkauft wird.

    So habe ich es hier nicht gemeint.

    Statt dieser Simplifizierung zu erliegen, könnte die Auseinandersetzung mit der Stoa dazu anregen, unsere Handlungsspielräume neu zu denken: Warum erleben wir Freiheit heute vor allem als ökonomische Freiheit – und damit als Freiheit zur Selbstausbeutung? Was ist tatsächlich unveränderbar, und was können wir – besonders in solidarischer Gemeinschaft – verändern? Die Stoa lädt uns auch ein, aus dem Alltäglichen auszubrechen und über das Leben, die Welt und unseren Platz darin nachzudenken. Das mag nicht direkt helfen, Alltagsprobleme zu lösen, doch ein tieferes Nachdenken könnte uns zeigen, dass das Leben mehr ist, als Probleme zu bewältigen.

    Hier ein weiterer wunderbar kreativer Konstruktivist >>>

    Dinge, die wir besitzen oder erwerben und über die unser Urteil / Gefühle / Ideen ziemlich falsch und irreleitend sind: Miswanting >>>

    Foto von Tina Rolf auf Unsplash

    Letzte Aktualisierung von Thomas Walser:
    23. Juni 2025

  • Übergänge und Zwischenräume im Alltag

    Übergänge und Zwischenräume im Alltag

    „Es ist die Stille zwischen den Tönen, die Musik von Lärm unterscheidet, die Stille des Bodens, die die Samen keimen lässt, damit sie aufblühen. In der Lücke der Abwesenheit lernen wir Vertrauen, in der Lücke zwischen Wissen und Geheimnis entdecken wir das Wunder. Jeder Akt der Raumschaffung ist in gewisser Weise ein kreativer Akt und ein Akt des Glaubens. Doch in seiner Offenheit und Unbestimmtheit, in seinem Werben um die Ungewissheit, stellt er unsere grundlegendsten Instinkte darüber, wie wir unser Leben regeln sollen, in Frage und erschüttert die Grundlage unserer Illusion von Kontrolle (die immer das Gegenteil von Glauben ist).“ (Die italienische Schriftstellerin Paola Quintavalle und der Künstler Miguel Tanco in Making Space)

    Weiterlesen >>> dr-walser.ch/uebergaenge-und-zwischenraeume/