Schlagwort: Angst

  • Schlafstörungen – wenn es nachts dreht und dreht…

    Schlafstörungen – wenn es nachts dreht und dreht…

    Diese nächtlichen Stunden erscheinen zuerst als unentrinnbare Falle und nur lästig. Sie sind aber auch ein „Geschenk“ um zu mehr Ruhe nachts und auch tagsüber zu kommen.
    Eine wunderbare Methode um aus diesem Teufelskreislauf zu entkommen und den Inneren Frieden zu erlangen, ist der 6-Schritte-Prozess, von Diederik Wolsak („Choose Again. Six Steps to Freedom“):

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  • Psychedelische Drogen als neue Therapieoption in der Medizin

    Psychedelische Drogen als neue Therapieoption in der Medizin

    I was at the lowest point in my life. I needed a mind-altering jolt. In the end, everything—even the meaning of “everything”—changed. (This Is a Philosopher on Drugs, Justin E. H. Smith in WIRED, Mar 7, 2023)

    So wirken die Psychedelika bei Depressionen

    Der Körper wird leicht und schwebt.
    Das unaufhörliche Rasen negativer Gedanken stoppt. Plötzlich kann man sich auf ein Detail im Raum oder einen kleinen Teil seines Körpers konzentrieren.
    Es ist erleichternd, einfach mal eine Pause vom eigenen Kopf zu haben.

    Diese Leichtigkeit, diese Pause zu erfahren, ist wichtig für Patienten, die schon monatelang depressiv sind. Ketamin zeigt ihnen, dass dieses gute Gefühl noch in ihnen steckt, nur durch die Depression verschüttet.

    Man muss verstehen, was eine Depression mit der Lernbereitschaft des Menschen zu tun hat. Lernen ist eine wichtige Aufgabe des Gehirns. Wenn ich viel Französisch spreche, werde ich mit der Zeit immer besser. Das funktioniert, weil sich die Zellen im Hirn neu verdrahten.

    Die Depression dagegen ist eine Fehlfunktion des Lernens. Patienten kreisen immer um das gleiche Problem oder kommen nicht über ein Trauma hinweg. Heilung bedeutet, dass sie lernen, aus diesen Gedankenschleifen auszubrechen und eine andere Sichtweise auf ihr Problem einzunehmen.

    Man nimmt an, dass Psychedelika bei diesem Lernprozess helfen, indem sie die Neuroplastizität erhöhen. Das bedeutet: Die Nervenzellen werden kommunikativer. Ihre Zellfortsätze verlängern und verästeln sich. Sie wachsen zu Bäumchen und nehmen Kontakt mit Nachbarn auf.

    Wenn die Nervenzellen Bäume sind, so sind Psychedelika ihr Dünger. Sowohl Ketamin als auch klassische Psychedelika sorgen dafür, dass die Zellen der äusseren Hirnrinde ein Molekül herstellen, das die Nervenzellen anregt, zu wachsen und sich zu vernetzen. Unklar ist noch, wie lange die erhöhte Neuroplastizität anhält.

    Aber selbst wenn der Patient nur ein begrenztes Zeitfenster gewinnt, um aus der Blockade, die die Depression auslöst, herauszufinden, reicht das, um eine neue Erfahrung zu machen. Traut er sich wieder aus dem Haus, dann hat bereits eine Verhaltensänderung, ein Lerneffekt stattgefunden. Und das motiviert, weiter an der Depression zu arbeiten.

    Man kann sich das auch so vorstellen: Bei einer Depression laufen die Gedanken wie auf einer vorgespurten Loipe im Schnee. Und das immer wieder in der gleichen Spur. Einmal drin, kommt man schwer wieder raus. Psychedelika verwischen diese Loipe. Sie erlauben den Gedanken, neue Spuren durch den Schnee zu finden.

    Dissoziative Wirkung

    Ketamin (Ketalar®), ein sogenanntes «dissoziatives» Narkosemittel, seit den 70er Jahren in der Anästhesie in bewährter Anwendung, ist neu auch «off label» bei therapieresistenten Depressionen (im, iv, oral, intranasal) mit Erfolg versucht worden.

    Diese „dissoziative Wirkung“ wird als einer der zentralen Wirkmechanismen all dieser psychedelischen Drogen, wie Cannabis, Psilocybin, Ayahuasca, LSD, DMT, Muscimol (aus Fliegenpilz) oder Ecstasy/MDMA bei schweren psychischen Leiden vermutet. Die Dissoziation kann zu einer ganz neuen Wahrnehmung des gewohnten Zustandes ausserhalb des krankhaften psychischen Selbstbildes führen. Dies kann heilend wirken, da man darin wieder seine positiven und gesunden Anteile entdeckt und sich endlich wieder mal anders erlebt. Man ist dann nicht mehr immer die „niedergeschlagene, traurige Depressive“, die „schreckhafte, schlafgestörte Traumatisierte“ oder der „verwirrte Schizophrene“. Erst jetzt kann ich mich „vorurteilsfrei und bedingungslos“ zum Beispiel als „erotisches, sinnliches Wesen“ oder als „freudig, lebendiger Mensch“ erleben. Nach der Einnahme wurde von Studienteilnehmern von einem „glücklicheren Selbst“ berichtet, das ihnen neue Perspektive auf die Welt ermöglicht hat.

    Mit Serotonin oder verwandten Botenstoffen hat Ketamin nichts zu tun. Es muss also seine Wirkung auf anderem Weg entfalten. Was passiert da sonst noch in unserem Hirn?

    Psychedelika verbessern auch die Plastizität unseres Hirns

    Diese Stoffe verbessern offenbar auch die Übertragung von Informationen zwischen den Hirnzellen, stellten Forscher fest. Sie lassen sogar neue Verbindungsstellen, Synapsen, spriessen. Herkömmliche Antidepressiva tun das übrigens auf Umwegen auch. »Plastizität« nennen Fachleute das Phänomen. Es ist entscheidend für das Lernen.

    Gegen Depressionen, Suizidgedanken, Angststörungen und Posttraumatische Belastungsstörung

    Psychedelischen Drogen (Cannabis, Psilocybin, Ayahuasca, LSD, DMT, Muscimol oder Ecstasy/MDMA) wurden in (kleinen) Studien bei schweren Verläufen von Depressionen, Angststörungen oder auch bei der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) angewendet, wo die herkömmlichen Antidepressiva und Psychotherapie zu wenig ausrichteten. Psychedelische Drogen (meist in Kombination mit begleitender Psychotherapie) scheinen im Vergleich zu herkömmlichen Antidepressiva (auch in Kombination mit PT) eine schnellere und langfristigere Besserung zu erzielen.
    Sie können punktuell neben einer laufenden Psychotherapie gegeben werden und dabei zuvor verschlossene Tore öffnen und die Therapie damit auf ein neues Niveau bringen. Denn Depressionen und Angststörungen beruhen auf Denkmustern, die sich über Jahre hinweg im Gehirn der Betroffenen verfestigt haben. Im Zuge einer Behandlung können diese Muster aufgebrochen und umgeformt werden, was mit diesen Drogen geschehen kann.

    Eine neue Hypothese besagt, dass Depressionen entstünden, wenn die Plastizität in unserem Hirn sinke. Erhöht man diese, lässt sich die Krankheit lindern.

    Für diese Vermutung spricht einiges, denn Stress senkt die Plastizität. Und Stress entsteht durch akute oder chronische Überlastungen genauso wie durch frühe Traumata – alles bekannte Ursachen von Depressionen. Wenn Menschen aber nicht mehr so gut Neues lernen können, bleiben sie leichter in Grübelschleifen hängen, ziehen sich zurück. Die Verbindungen im Gehirn leiden, die Verbindungen im Leben ebenfalls.

    Damit aber erledigt sich zugleich der alte Streit, ob Medikamente oder Psychotherapie der bessere Weg zur Gesundung sind. Zum Umlernen braucht es beides: Plastizität im Hirn und neue Erfahrungen im Leben. Studien bestätigen, dass die Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie besser wirkt als die jeweiligen Behandlungen allein. Im Alltag aber arbeiten Fachleute aus beiden Bereichen viel zu wenig zusammen. Zwischen Ärzten, die Medikamente verordnen, und Psychotherapeuten, die Gespräche führen, knirscht es, ganz ähnlich wie lange Zeit zwischen den verschiedenen Therapieschulen.

    Bei Krebs

    Die vielfältige gute Wirkung von Cannabis gegen verschiedene Symptome von Krebs (z.B. Schmerzen) wie auch der Chemotherapie-Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit) ist bereits altbekannt.
    Auch Psilocybin aus Magic Mushrooms, wirkt gut und lang andauernd gegen Angstgefühle und Depressionen bei Krebskranken im fortgeschrittenen Stadium. Die einmalige (orale) Einnahme von Psilocybin wirkte mehrere Monate lang!
    Dasselbe kann von LSD gesagt werden. (Als Beispiel: Pilot Study of Psilocybin Treatment for Anxiety in Patients With Advanced-Stage Cancer. Grob CS et al., „Archives of general psychiatry“>Arch Gen Psychiatry. 2010 Sep)

    Weltweit Aufsehen erregte 2016 eine britische Studie. Nach Gabe von 10 g und nochmals 25 g Psilocybin im Abstand von 7 Tagen waren von 12 Patienten mit moderater bis schwerer therapieresistenter Depression 5 Patienten in Remission und das auch noch nach 3 Monaten. In einer weiteren Studie aus 2018 mit vergleichbarem Setting konnten die Forscher zeigen, dass eine Remission auch noch 6 Monate nach der Behandlung anhielt.

    Bei Alkoholsucht

    Spirituelle Erfahrung – auch als „Lernen zu Sterben“

    Wie stark die depressiven Symptome in den Studien zurückgingen, hing dabei mit der Qualität der akuten psychedelischen Wirkung – oder anders ausgedrückt – mit der Intensität der spirituellen Erfahrung zusammen.

    Doch nicht nur bei schweren Depressionen scheint Psilocybin seine magische Wirkung zu entfalten. So ergaben Studien an Patienten mit terminaler Krebs-Erkrankung, dass auch bei diesen Patienten Depression und Angst noch 6 Monate nach der Behandlung signifikant verringert waren.

    Chronisches Schmerzsyndrom

    Dasselbe kann man auch beim Chronischen Schmerzsyndrom beobachten. Im Trip kann man sich durch Dissoziation endlich wieder mal glücklich, als Mensch neben dem Schmerzblock erleben.

    Auch mit anderen psychedelischen Substanzen konnten bereits beachtliche Therapie-Erfolge erzielt werden. Eine Studie mit Ecstasy aus dem Jahr 2018 führte bei Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung zu signifikant reduzierten Symptomen – auch noch ein Jahr nach einer Einmaldosis.

    Besonders ausgeprägt sind bei Respondern eine spirituelle Erfahrung, ein glückseliger Zustand, das Gefühl von Einheit mit der Welt, Einsicht und die Verringerung von Angst.

    Prof. Dr. Franz X. Vollenweider, Universität Zürich, gilt in der wissenschaftlichen Community als der Mann mit den grössten klinischen und wissenschaftlichen Erfahrungen mit Psychedelika in Europa. Er beschrieb, was Patienten erleben. Diese sind hell wach, alle Sinne werden aktiviert. Bei niedrigen Dosen können Pseudo-Halluzinationen auftreten, bei höheren Dosen auch Halluzinationen. Die Substanzen verändern die Art, wie Affekte verarbeitet werden, den Denkprozess, die Stimmung und das Gefühl des Selbst. Das Wichtigste für die therapeutische Wirksamkeit ist diese ozeanische Entgrenzung, eine Auflösung der Ich-Umwelt-Abgrenzung.

    Sinn im Leben

    Erste Studien belegen, dass die Substanz Psilocybin den Sinn, den Menschen in ihrem Leben sehen, erhöht, wahrscheinlich weil es zu einer Art Auflösung des Ichs führt. Die Menschen fühlen sich weniger als Person und mehr als Teil eines grösseren Ganzen.
    Lesen Sie dazu auch diesen Blogbeitrag über den spannenden Zusammenhang mit der chronischen Entzündungsneigung: walserblog.ch/2021/07/04/sinn-im-leben/

    Die emotionale Empathie, das sich Hineinfühlen in andere nehmen zu. Und die Patienten nehmen wieder eine stärkere Beziehung zu ihrer Umwelt auf – ein Hinweis darauf, warum eine antidepressive Wirkung eintritt. Denn während einer Depression sind gerade ein verstärkter Fokus auf sich selbst und verarmte soziale Interaktionen typisch.

    Depersonalisation

    „Es gibt ein psychiatrisches Phänomen, das die meisten von uns normalerweise zu vermeiden hoffen, nämlich die so genannte „Depersonalisation“, bei der eine Person zu der Überzeugung gelangt, dass ihr eigenes Leben nicht real ist, dass die Erinnerungen, die sie hat, sogar der Körper, den sie hat, nicht der ihre ist. In den Tiefen der Depression kam ich diesem Zustand sehr nahe, und es war erschreckend. Beim Kiffen hingegen habe ich mich einem Zustand genähert, der zumindest ein Cousin der Depersonalisation ist, aber ich habe festgestellt, dass er meistens weder angenehm noch erschreckend ist, sondern einfach nur aufschlussreich. Schliesslich sind wir höchstwahrscheinlich keine einheitlichen metaphysischen Subjekte, sondern eher komplexe Ansammlungen von Zellen, die eine Illusion der Einheit ermöglichen, solange die Ansammlung andauert. Ich werde hier kein Dogma bekräftigen, nicht einmal die naturalistische Darstellung des biologischen Todes, auf die ich soeben angespielt habe, sondern nur sagen, dass es mehrere plausible Darstellungen dessen gibt, was ein Selbst ist, bei denen wir uns in der Tat irren, wenn wir annehmen, dass sie ebenso wenig existieren wie beispielsweise das Bild eines Flamingos, das sich kurzzeitig durch farbige Pixel auf einem Bildschirm manifestiert.“
    (This Is a Philosopher on Drugs, Justin E. H. Smith in WIRED, Mar 7, 2023)

    Suizidgedanken

    Kommentar von Infomed-Screen (01/2023) zur starken Studie mit Ketamin:
    „Dass hier die antisuizidale Wirkung von Ketamin in einer methodologisch guten Studie untersucht wurde, ist sehr lobenswert. Zudem ist das Resultat mindestens prima vista sehr erfreulich: Ketamin scheint sich als ein mögliches Notfallmedikament bei akuter Suizidgefährdung zu eignen. Der gute Eindruck wird leider durch die Tatsache getrübt, dass dieses Resultat nur dank der Patientinnen und Patienten mit einer bipolaren Erkrankung – d.h. bei etwa einem Drittel der untersuchten Population – erreicht wurde. Auch dass nach 6 Wochen allgemein kein sicherer Effekt hinsichtlich Suizidgefährdung mehr feststellbar war, ist ärgerlich. Zu den Risiken einer wiederholten Anwendung von Ketamin bei denselben Individuen weiss man nichts Sicheres; Ketamin hat aber bekanntlich Suchtpotential, weshalb entsprechende Studien kaum von der Industrie finanziert würden. (Das in der Schweiz in Form eines Nasensprays erhältliche und als Antidepressivum zugelassene S-Enantiomer von Ketamin (Spravato®), quasi eine neue Substanz, kostet minimal rund 250 Franken. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn grössere und längerdauernde kontrollierte Studien durchgeführt würden. Leider sind die Chancen, dass dies geschieht, nicht sehr gross: die in dieser Studie eingesetzten Ketamin-Dosen kosten wenige Franken.“

    Nebenwirkungen

    Schädlichkeitsbewertung unterschiedlicher Drogen nach Nutt et al.

    Zuerst mal ist gut, wenn man die Relationen klar anschaut: Oben sehen Sie, dass die Volksdrogen Alkohol und Tabak klar schädlicher sind und die psychedelischen Drogen eher wenig gefährliche Nebenwirkungen aufweisen.

    Besonders riskant ist der Mischkonsum dieser Drogen (vor allem Ketamin) mit Alkohol, Beruhigungsmitteln und Opiaten.

    Es kann zu Herz-Kreislauf-Problemen oder zu einer Hemmung des Atemreflexes kommen. Ein regelmässiger Mischkonsum mit Ketamin kann zudem Blase, Niere und Leber beeinträchtigen. Auf der psychischen Ebene können Gedächtnisstörungen und eine Abhängigkeit entstehen.

    Durch die mehrheitlich positive Berichterstattung werden die Risiken eines nicht medizinischen Ketaminkonsums verharmlost, insbesondere das Abhängigkeitspotenzial wird oft nicht ausreichend herausgestellt.

    Dirty Drugs

    Man muss zum Schluss auch erwähnen, dass kaum grössere Studien bestehen und zum Beispiel die sinnvolle Dosis dieser Drogentherapien unklar ist. Aber wer bezahlt bei so alten und günstigen Substanzen die notwendigen Studien?!
    Dies hat auch damit zu tun, dass diese Drogen (vor allem Cannabis) sogenannte „Dirty Drugs“ sind, also gemäss Wikipedia: Dirty Drug (zu deutsch schmutziges Medikament) bezeichnet im pharmakologischen Sprachgebrauch ein Medikament, das im Gehirn an verschiedene molekulare Bindestellen oder Rezeptoren bindet. Dadurch wird zwar eine grosse Bandbreite an Wirkungen erzielt, es kommt aber auch häufig zu unbeabsichtigten und unvorhersehbaren (Neben-)Wirkungen. Heutzutage wird versucht, bei Medikamenten eine möglichst spezifische Wirkung zu erreichen, um die unerwünschten Effekte möglichst gering zu halten. (dies auch u.a. bei Lisurid, Ibogain, Modafinil, Mirtazipin…).
    (Wunderbaren Youtube-Beitrag von maiLab über Dirty Drugs: youtu.be/B7Rul6p6SZM )

    Letzte Aktualisierung durch Thomas Walser:
    30. Januar 2025

  • Der innere Frieden

    Der innere Frieden

    „Wenn du deprimiert bist, lebst du in der Vergangenheit. Wenn du besorgt bist, lebst du in der Zukunft. Wenn du in Frieden bist, lebst du in der Gegenwart.“ Lao Tse

    Frieden hat viel mit Hingabe zu tun. Sich hingeben an den Moment, an das Hier und Jetzt. Auch die Hingabe an all unsere Ängste und Widerstände bringt Frieden. Man sagt dazu so schön (und ich finde dies eine treffende Formulierung):
    Seine Ängste nicht nur an der Hand, sondern in die Arme nehmen.
    Der Weg durch die eigenen Widerstände hindurch ist anstrengend und schmerzhaft. Es ist aber eine grosse Hilfe, den Automatismen und Widerständen in sich selbst zu begegnen, die zur Katastrophe, zum Unfrieden und zum Leiden geführt haben. Diesen steinigen Weg auch bis zum Ende zu gehen und nicht beim ersten oder zweiten Widerstand auszuweichen und abzubrechen, ist wichtig. Dranbleiben und nicht alles auf einmal gelöst haben wollen – bleiben, bis sie sich durch Zeit und Atem selbst verändern, vielleicht sogar zur (Auf-)Lösung und Heilung kommen.

    Was kann helfen, den inneren Frieden zu fördern?

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  • Todesangst

    Todesangst

    Heute spüren wir das Paradoxon, dass wir viel sicherer leben als jede Generation vor uns. Gleichzeitig leben wir unter dem Phantom der Unsicherheit. Die Ängste sind heute anders, willkürlicher, diffuser, nebulöser. Man arbeitet dreissig Jahre für eine Firma, ist sehr geschätzt, und plötzlich kommt ein grösseres Unternehmen, schluckt die Firma, schlachtet sie aus, und man findet sich auf der Strasse wieder. Wenn man fünfzig ist, hat man wenig Chancen, eine neue Stelle zu finden.
    Vor solchen Schlägen haben viele heute Angst.Diese diffusen Ängste werden europaweit von den extremen Rechtsparteien schamlos ausgenützt: Auf die Flüchtlinge wird alles zurückgeführt. Warum gibt es Arbeitslosigkeit? Wegen der Immigranten. Warum steigt die Kriminalität (steigt sie überhaupt?)? Wegen der Immigranten. Alles wird viel einfacher: man hat endlich einen Blitzableiter für die ökonomisch bedingte Verunsicherung.

    Auch eine stark boomende Sicherheitsindustrie profitiert übrigens davon.

    …und auch die gesellschaftliche Nulltoleranzstimmung und Sündenbockmentalität gegenüber Zigarettenrauchen, gegen Übergewicht, Wurstesser, gegen schlechte (multiresistente) Bakterien, gegen zu viel Sonne oder ungeschützten Sex (Weiterlesen >>> dr-walser.ch/genuss).

    Diese nebulösen (ökonomischen) Ängste, wie auch die weit verbreitete Angst vor Unzulänglichkeit (als Musterbeispiel auch hier das Zentrale in Facebook, bei dem die Verwandlung des Individuums in eine begehrte Ware das Wichtigste ist!) und auch das heutige Übermass an Möglichkeiten führt zur Depression und zur dahinter liegenden Todesangst.

    Die Angst vor dem Tod ist meiner Meinung nach allgegenwärtig, fest in uns verankert, prägt den innersten Kern unseres Seins. Sie spielt eine wesentlich grössere Rolle in unserer Psyche, als gemeinhin angenommen wird, und ist, so glaube ich, unmöglich auszumerzen.

    Es ist eine grosse Hilfe für Menschen mit Ängsten, dies sich bewusst zu machen und die Erfahrung, sich des Todes bewusst zu werden, als Weckruf zu nutzen, um auf mannigfaltige Weise persönlichen Wachstum zu fördern.

    Ich habe mich auf meiner Website kurz auf einige der wichtigsten Ideen konzentriert, mit denen wir die Angst vor dem Tod vielleicht durch die Macht von Gedanken mildern können: dr-walser.ch/angst-und-panik

    Dazu Irvin D. Yalom, den ich als Denker sehr schätze und der mir als Mensch und Therapeut ein grosses Vorbild ist: „Die Angst, die es uns im Leben so schwer macht, entspringt nicht nur unserem biologisch- genetischen Substrat (ein pharmazeutisches Modell, das auch zu den antidepressiven Medikamenten führte), nicht nur unserem Kampf mit unterdrückten instinktiven Trieben (ein Freudscher Standpunkt), nicht nur wichtigen, von uns verinnerlichten Erwachsenen, die vielleicht nicht mitfühlend, nicht liebevoll oder neurotisch waren (eine objektbezogene Position), nicht nur gestörten Denkformen (eine Position der kognitiven Therapie), nicht nur Scherben vergessener traumatischer Erinnerungen oder aktueller Lebenskrisen, die die Karriere und die Beziehung zu bedeutsamen Mitmenschen involvieren, sondern auch der Konfrontation mit unserer Existenz.“

    Es bedarf also auch eine Konzentration auf das Hier und Jetzt, eine gesteigerte Sensibilität für existentielle Fragen: Die allgegenwärtige Angst vor dem Tod eben. Dann auch die Frage über den Sinn des eigenen Lebens. Weiter das Thema der individuellen Freiheit (d.h. Übernahme für Verantwortung, wie man sein Leben lebt – der eigene Wille) und schliesslich Fragen über die sogenannte Existentielle Isolation (d.h. man ist schlussendlich immer mit seiner selbst geschaffenen Welt allein und versteht seinen Mitmenschen damit nie absolut).

  • Checkup

    Checkup

    Mancher Patient , der sich bei uns untersuchen lässt, sieht in einem unauffälligen Checkup und in einem normalen Screeninguntersuch geradezu einen Freibrief, die bisherige ungesunde Lebensart munter weiterzuführen. Es ist ja alles in Ordnung: Die Ärztin hat gesagt, das Rauchen habe mir nichts angehabt. Screening, so scheint es mir, ist häufig ein Ritual, um mit der Angst vor Krebs und Krankheiten fertig zu werden.

    Wenn ich der sogenannten „Checkup-Untersuchung“ gegenüber sehr skeptisch eingestellt bin, dann geht es nicht darum, Angst zu verbreiten, aber die Illusionen sind gefährlich. Es geht auch nicht darum, Patientinnen und Patienten vom Praxisbesuch fernzuhalten: Sie sollen gehen, wenn sie sich ängstigen oder schlecht fühlen. Es ist aber unerlässlich, dass wir alle wieder lernen, mehr in uns selber und in unser Gespür zu vertrauen. Mindestens solange man gesund ist und auch so lebt, sollte man sich selbst mehr vertrauen als seinem Arzt.
    (Hier können Sie mehr über Ihr Gesundheitsverhalten lernen: www.dr-walser.ch/gesund/)

    Hinter jedem Wunsch nach einem Check-up verbirgt sich ein Grund. Häufig ist es Angst. Weit wichtiger als der Untersuch an sich ist es, dieser Angst auf die Spur zu kommen und mit den Patientinnen und Patienten das Gespräch darüber zu finden. Ich beginne mein Gespräch beim Checkup-Wunsch des Patienten deshalb häufig mit dem Satz: „Es existieren zwei Risiken, die für den „Checkup“ wichtig sind: ein familiäres und ein persönliches. Sind Sie in letzter Zeit grosse gesundheitliche Risiken eingegangen?!“ Hier hat dann plötzlich Platz, dass der Mann in letzter Zeit eine Prostituierte besucht hat (und nun fürchtet, eine Geschlechtskrankheit aufgelesen zu haben) – oder hatte unsicheren Sex mit einer „Unbekannten“ – oder nahm „irgendeine“ Droge an der letzten Party. Dies gehört zur „hidden agenda“ seines Wunsches nach einem Checkup. Sehr oft erweist es sich dann auch, dass ein Bekannter oder Verwandter eine bestimmte Krankheit hat, die man nun fürchtet. Oder die Lebensumstände haben einen grossen Wandel genommen und zur Verunsicherung geführt. Oder am Fernsehen wurde wieder einmal über eine gefährliche Krankheit aufgeklärt. Oder eben: Der frühere Hausarzt hat den Check-up empfohlen, mindestens einmal jährlich. „Hidden agenda“ bezeichnet seitens des Patienten nicht deklarierte Beweggründe für einen Arztbesuch. Hierzu gehören auch Erwartungen, Gefühle und Ängste, welche dem Arzt nicht ohne weiteres preisgegeben werden. Mögliche Hinweise auf eine noch nicht entdeckte „hidden agenda“ können sein: spürbare oder geäusserte Unzufriedenheit des Patienten; häufiger Arztwechsel; häufige Konsultationen ohne Veränderungen des klinischen Status; Patienten, welche übertrieben durch ihre Symptomatik beeinträchtigt zu sein scheinen; „schwierige“ Patienten. Das Erkennen einer „hidden agenda“ verhindert unnötige, fruchtlose, im schlimmsten Fall falsch positive Abklärungen, die mit dem Konsultationsgrund eigentlich nicht im Zusammenhang stehen.

    >>> Mehr zu Sinn und Unsinn des Checkup lesen Sie auf meiner Website:
    www.dr-walser.ch/checkup/