Schlagwort: Salutogenese

  • Gesund werden durch ein starkes Kohärenzgefühl

    Gesund werden durch ein starkes Kohärenzgefühl

    Kohärenz ist der Zustand, bei dem ein Mensch feststellen kann, dass es so wie es gerade ist, sich stimmig – und auch zuversichtlich anfühlt. Selbst mitten in einem Krankheitsprozess hilft ein starkes Kohärenzgefühl zur Gesundwerdung.

    Es besteht aus den drei Dingen: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit.

    Vom Wissen zur Erkenntnis.

    Bedenken Sie dabei immer, dass “Wissen” durch Informationsaneignung in der Medizin in die Irre – und erst “Erkenntnis” zum Ziel führt. Die Suche zur Erkenntnis geht nach innen: “Wer bin ich?”. Dies ist viel essentieller und ganzheitlicher als “Was habe ich (für eine Krankheit)?”. Deshalb ist auch Wikipedia und Google bei medizinischen Fragen häufig sogar schädlich, da die Erkenntnis keine Sache ist, die sich übertragen lässt. Man muss in sie hineinwachsen, sie erleben. Es ist wie mit der Liebe: Solange Sie sie nicht selbst entdecken und leben, werden Sie auch nie wissen, worum es sich handelt (auch nicht aus tausend Liebesromanen).

    Erkenntnis geht über die Hirnleistung aus, in unser Herz und den ganzen Körper: Wir er-fassen unseren Prozess, be-greifen den Sinn und ver-stehen das Ganze in einem grösseren Zusammenhang. Dies ist die Grundlage für eine Haltung des Individuums gegenüber der Welt und dem eigenen Leben. Von dieser Grundhaltung hängt es massgeblich ab, wie gut Menschen in der Lage sind, vorhandene Ressourcen zum Erhalt ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens zu nutzen.

    Je ausgeprägter das Kohärenzgefühl einer Person ist, desto gesünder ist sie bzw. desto schneller wird sie gesund und bleibt es.

    Verstehen, Handhaben und Sinn geben.

    Das Gefühl von Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit ist die Überzeugung eines Menschen, dass er geeignete Ressourcen zur Verfügung hat, um den Anforderungen zu begegnen – wozu auch der Glaube an die Hilfe anderer Menschen oder einer höheren Macht zählt.

    Das Gefühl von Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit ist das Ausmass, in dem man das Leben als emotional sinnvoll empfindet: Dass wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme und Anforderungen es wert sind, das man Energie in sie investiert, dass man sich für sie einsetzt und sich ihnen verpflichtet; dass sie eher willkommene Herausforderungen sind, als Lasten, die man gerne los wäre.

    Wie reagiere ich auf Stress?

    Stress ist in unserem Leben nicht zu vermeiden. Entscheidend aber ist, ob ich dem stressvollen Ereignis, etwa einer Prüfung, Sinn verleihen kann, ob mit klar ist, dass diese Prüfung notwendig ist (zum Beispiel, um mir bewusst zu machen, ob ich genügend Kompetenz besitze, um dann in einem bestimmten Bereich zu arbeiten), ob ich die Prüfungsfragen verstehe (Verstehbarkeit), ob ich mit der Prüfungssituation zurecht komme (pünktlich sein, nicht panisch sein, mir genügend Zeit für jede Frage nehme, usw.). Das wäre die Handhabbarkeit.

    Es gilt also auch hier, dass wir unsere Erlebnisse, unser Schicksal (auch Krankheiten) im Leben nicht wählen können, jedoch wie wir diese wahrnehmen und beurteilen. Diese Einstellung (Selbsturteil, Gedanken und Gefühle) über das, was wir erleben sind erst unserem freien Willen unterstellt (Weiterlesen >>> „Nicht was wir erleben, sondern wie wir wahrnehmen was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“).

    Reaktion auf eine schwere Krankheit

    Nehmen wir das Beispiel einer schweren Krankheit. Die Menschen denken, wenn eine Krankheit kommt, dann ist das Schicksal besiegelt und man ist auf der Verliererseite. Und ja, ernsthaft krank zu werden hat immer etwas Tragisches, etwas Trauriges, etwas Belastendes, da möchte ich nicht beschönigen. Aber ob das Krankgewordensein das Ende des Glücks ist, das hängt nicht nur von der Krankheit ab, sondern davon, wie wir selbst damit umgehen, wie wir es deuten, wie wir uns dazu verhalten.
    Wir können uns zurückziehen und resignieren. Oder wir packen das Leben dann erst recht an und setzen alles daran, uns jetzt zu verwirklichen, trotz der Einschränkungen, die die Krankheit mit sich bringt und die natürlich beschwerlich sein können. Es stellt sich zunächst einmal ein Durchbruch zu einem anderen Leben ein.
    Die Krankheit wird geschickt, aber unser Schicksal erfüllt sich erst im selbst gewählten Umgang mit dem Kranksein. Die Freiheit liegt nach wie vor in der Freiheit der eigenen Einstellung und Wahrnehmung (Selbsturteil, Gedanken, Gefühle). Neue Lebensziele werden gefordert, ein neuer Lebenssinn. Es lassen sich Dinge erkennen, die man vorher nicht zu sehen bereit war. Der krank gewordene Mensch kann sensibler und tiefsinniger werden.

    Ein Mensch mit grossem Kohärenzgefühl, der also sein Leben als sinnvoll und sich durchaus auch voller gesunder Anteile sieht – der kann auch andere bereichern und beschenken. Er ist nicht mehr bedürftig, sondern liebend.
    (Giovanni Maio, Medizinethiker in Psychologie Heute, 08/2020)

    Den Mitmenschen nicht zum Objekt machen.

    Wie aber hat er dies erreicht? Eine Schlüsselhandlung hat er nicht oder wenig erlebt, die einem anderen Menschen das Kohärenzgefühl nimmt oder verkleinert:
    Er hat wenig erlebt, dass er durch andere zum Objekt gemacht wurde, durch Bewertung, Belehrung, Massnahmen, Belohnung/Bestrafung, etc… Wir leben leider auch in einer Ära der Moralisierung von Krankheit. Heute gilt sie als Folge schuldhaften Verhaltens, als Resultat eigener Versäumnisse.
    Es ist also an uns Erzieher*innen, Lehrer*innen, Politiker*innen, Ärzt*innen möglichst wenig zu bewerten, zu belehren, zu massregeln, zu bestrafen,…

    • Geh im Zweifelsfall vom Guten aus!
      In den meisten Fällen wird man darin bestätigt werden, da die meisten Menschen wirklich im Grunde gut sind. Dazu Anne Frank: „Es ist wirklich ein Wunder, dass ich nicht alle meine Ideale fallen gelassen habe, weil sie so absurd und unmöglich zu verwirklichen scheinen. Aber ich behalte sie, weil ich trotz allem glaube, dass die Menschen im Herzen wirklich gut sind.“
    • Versuche, den anderen zu verstehen, auch wenn du keine Zustimmung aufbringen kannst! Beispiele: Norwegisches Gefängniswesen, Nelson Mandela… (Lies dazu Rutger Bregmans Buch “im Grunde gut”!)
    • Schütze Menschen vor prekären Verhältnissen, die krank machen (Armut, Rassismus, Sexismus,…).

    So können mehr liebende Menschen entstehen, die ein gesundes, sinnhaftes und zufriedenes Leben ihr Eigen nennen können.

    Und… Dauerstress zerstört alles wieder!

    Dauerstress ist klar der Feind des guten Kohärenzgefühls und schwächt immer auch den Lebenssinn und Lebensmut. Entspannung und Meditation ist der Freund und Verstärker.

    Weiterlesen über Selbsthilfe, Selbstwirksamkeit und Salutogenese:
    www.dr-walser.ch/salutogenese/
    Weiterlesen über die goldene Regel der Ethik: walserblog.ch/2021/01/10/goldene-regel-der-ethik/
    und über „krank und trotzdem zufrieden“!

    Veröffentlicht am 17. Juli 2020 von Dr. med. Thomas Walser
    Letzte Aktualisierung:
    10. Januar 2024

  • Welcher Arzt/Ärztin tut Ihnen gut?!

    Welcher Arzt/Ärztin tut Ihnen gut?!

    Seit Beginn meiner Praxistätigkeit habe ich vermieden, zu Beginn eines Gesprächs „Was fehlt Ihnen?“ zu sagen. Bereits im Verlauf des ersten Kontakts wird dagegen wichtig, die Frage aufzuwerfen „Was tut Ihnen gut?!“ (Lesen Sie dazu auch meine Seite über Genuss und Schuldgefühle in der Medizin: www.dr-walser.ch/genuss/).

    Ist das Menschenbild meines Arztes salutogenetisch, voller Vertrauen in meine Selbstheilungskräfte?

    Die Hausarztarbeit beginnt bereits vor der Sprechstunde. Wenn ich in meiner Arbeit als Arzt salutogenetisch wirken will, muss ich selbst wissen und spüren, welches mein eigenes Menschenbild, mit dem ich dies Welt anschaue. Dann auch, welches meine eigenen, gesund machenden Ressourcen sind, was mir Freude macht – für was ich mich begeistern kann. Nur wer selbst gesund lebt und sich zu pflegen weiss, kann diese „Gesamthaltung“ auch weitergeben.

    Begeisterung und inneres Feuer des Arztes für seine Arbeit

    Aus der Hirnforschung wissen wir wiederum, dass nur ein Arzt, der mit Begeisterung und Freude seine Patienten einlädt und ermutigt, ja inspiriert, eine neue Haltung einzunehmen, überhaupt Veränderungen erreichen kann (da das Hirn des Patienten nur bei Benützung mit Freude oder Begeisterung sich verändern wird! The brain runs on fun!).
    Fragen Sie sich also, was Sie von einem Arzt erwarten, der Ihre gesunden Ressourcen ansprechen soll – und nicht nur Ihre kranken Seiten?! Ist er/sie auf Ihren Schmerz fixiert?
    .
    Patient: „Überall wo ich meinen Finger hinhalte, tut es mir weh. Was habe ich, Herr Doktor?!“
    „Sie haben ihren Finger gebrochen!“

    Weiterlachen >>>

    Wie lebt Ihr Arzt?

    Oder pflegt Ihre Hausärzt*in Sie auch als einzigartige Persönlichkeit? Pflegt er die Beziehung zu Ihnen? Pflegt er die Beziehung zu anderen Ärzten (besucht er Balintgruppen, Ärzte-Qualitätszirkel, etc.)? Wie gesund wirkt er eigentlich selbst?! Ist er begeistert von seinem Beruf?! Und kann er die Dinge mit Begeisterung rüberbringen?! Sieht er Sie als Mensch und „ganz“, d.h. auch als Teil Ihrer Nächsten, Ihrer Familie, in Ihrem Beruf…? Interessiert er sich auch für Ihre Bewegung, für Ihre Ernährung, Ihre Liebe, wie Sie sich pflegen? Interessiert er sich auch für Ihre Ängste, Ihre existentiellen Ängste (vor dem  Tod, vor Isolation, vor der Sinnlosigkeit der Krankheit, des Lebens,…)?  Bezieht er Ihr Umfeld mit ein (schickt er Sie nur zu weiteren Profis des Gesundheitswesens, wie z.B. Physiotherapeuten – oder rät er Ihnen, sich durch eine Freundin massieren zu lassen? Braucht er auch selbst seine Ressourcen, z.B. berührt er Sie auch mit den Händen – oder spricht er nur? Überweist er Sie in eine Kuranstalt (unter lauter Kranken) oder rät er Ihnen, sich einige Tage in Ihrem Lieblingsgasthof in den Bergen (unter Gesunden) zu erholen? Glaubt er an Ihre Heilung (oder besser: Selbstheilung)?!

    >>>Mehr über die Salutogenese und Selbstheilung hier auf meiner Website:
    www.dr-walser.ch/salutogenese/

  • Die unglaubliche Regenerationsfähigkeit unseres Körpers!

    Die unglaubliche Regenerationsfähigkeit unseres Körpers!

    Ein neues wunderbares Beispiel für die enorme Plastizität und Regenerationsfähigkeit unseres menschlichen Körpers ist das unglaubliche und vollständige Nachwachsen einer amputierten Fingerendkuppe (dies auch trotz freiliegendem Knochen!) unter einem sehr einfachen Folienverband – ohne Operation, ohne Antibiotika und selbst ohne Desinfektion! Wir sind hier wirklich der Eidechse mit ihrem nachwachsenden Schwanz sehr ähnlich.
    (D.Hoigné, U.Hug: Amputationsverletzungen am Fingerendglied: Regeneration mittels Folienverband; Schweiz Med Forum 2014;14(18):356-360)

    Dasselbe findet man auch bei unserem Hirn, welches einen Riesenschaden (zum Beispiel nach einem Hirnschlag) durch die Plastizität des Resthirns fast völlig ausgleichen kann. Hier ist auch erstens der Glauben daran (auch von uns Mediziner) und dann die schnelle und intensive (also schonungslose) Aktivierung dieses Resthirns äusserst wichtig!
    Hier als Besispiel auf meiner Website: www.dr-walser.ch/anti_aging/#hirn

    Weitere Beispiele erlebe ich täglich in meiner Arbeit als Rolfer, wo ich durch angeleitete Funktionsveränderung vor allem der Alltagsbewegung und -haltung enorme Formveränderung im Bindegewebe (Faszien) und selbst von Knochen bewirken kann (Rundrücken, Skoliose zeigen mehr Aufrichtung, O- und X-Beine nähern sich der Geraden, Körperhaltungen werden natürlicher, ökonomischer und graziler): www.dr-walser.ch/rolfing/

    Auch Knorpelschäden, welche in der Medizin lange Zeit als sehr resistent für Heilungen angesehen wurden, können unter (genügender) Belastung massiv regenerieren – so Meniskusrisse und selbst Arthrosen, also Abnützungen: Lesen Sie dazu die Geschichte von Bernd Heinrich hier: www.dr-walser.ch/ausdauerraeuber.pdf

  • ICE = Ideas, Concerns, Expectations

    ICE = Ideas, Concerns, Expectations

    Das ICE schmelzen lassen

    Eine wunderbare Art, die Welt eines Menschen verstehen zu lernen, der dich aufsucht und dir seine Symptome schildert, ist das Erfragen seiner eigenen IDEEN über all die Dinge, die ihm widerfahren.
    Darin äussern sich dann auch seine BEDENKEN und auch seine ERWARTUNGEN, die er an mich als Arzt hat.
    Dieses Interesse an der Erschaffung seiner Welt (was jeder Mensch zu jeder Minute auf seine ureigene Art tut – und auch in Liebesbeziehungen zu soviel Missverständnisse führt!) – dieses Interesse lässt mich noch nach Jahrzehnten als Hausarzt begeistert arbeiten!

    Dazu Fritz Perls: „Beziehung ist Anerkennung von Unterschieden!“ – und dies gilt auch für die therapeutische!

    >>> Lesen Sie weiter über die Arzt-Patientinnen-Beziehung auf meiner Website:
    www.dr-walser.ch/salutogenese

  • Ist Heilung möglich? Nein! Nur Selbstheilung!

    Ist Heilung möglich? Nein! Nur Selbstheilung!

    Gesundheit „gelingt“ anstatt dass sie „gemacht“ wird.

    Welches sind dann die Bedingungen, dass es gelingt?

    • Der Mensch will, dass er gesund wird!

    • Der Arzt/Therapeut glaubt, dass der Mensch im Grunde gut ist und vertraut in seine Ressourcen!

    • Der Kranke kann dem „Heiler“ vertrauen.
      Und dieses Vertrauen hat eng zu tun mit den drei Faktoren der salutogenetischen Grundhaltung:

      1.) Er versucht seinen Prozess verstehen zu können.

      2.) Er hat das Gefühl haben, dass er beim Heilungsprozess mitbeteiligt ist.

      3.) Er hat dabei auch das Gefühl, dass all dies einen Sinn hat.

    Diese Grundhaltung kann durch positive Erfahrungen erworben werden, was auch die Hirnforschung bestätigt (Hauptort im Hirn: Präfrontale Rinde!):
    „Kein Gesundheitswesen der Welt kann darauf verzichten, dass die Menschen selbst Verantwortung für Ihre Gesundheit übernehmen!“ (Prof. Dr. Gerald Hüther, Hirnforscher)

     >>> Lesen Sie auch mehr zur Selbstheilung auf meiner Website: www.dr-walser.ch/salutogenese/