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  • Innehalten – im Hier und Jetzt

    Innehalten – im Hier und Jetzt

    Now is all we have!

    “Ein spiritueller Weg,
    der nicht in den Alltag führt,
    ist ein Irrweg.”
    (Pater Willigis Jäger (Benediktiner-Mönch und Zen-Meister)

    In meinen Augen ist es auch gesundheitlich sehr förderlich, wenn ich keine getrennten „Lebensbereiche“ schaffe – getrennt in finanzielle, berufliche, private, spirituelle, gesundheitliche und so weiter. Ich versuche nur „das eine grosse Leben“, von dem ich träume, zu leben. Ich weiss, dass alles verbunden ist, dass sich meine Gesundheit auf meine Arbeit auswirkt, meine Arbeit auf meine Beziehungen, meine Finanzen auf meine Spiritualität und so fort.

    Wenn sich dein ganzes Vorstellungsvermögen nun auf die Gegenwart richtet, auf den gegenwärtigen Augenblick, und nicht auf die Zukunft, dann fängst du an, dein Dasein als Poesie wahrzunehmen. Deine Phantasie geht dann nicht in Sehnsüchte, sondern wird für das Leben eingesetzt. Lebst du in der Gegenwart, bist du weniger in Spannung.

    Der Augenblick selbst ist zur Ewigkeit geworden und alles entspringt aus ihm. Es ist ein Aufblühen. Kannst du diesen spannungslosen Augenblick mit deinem Körper empfinden, dann lernst du ein positives Wohlsein, ein Wonnegefühl kennen, das du noch nie zuvor erlebt hast. Dein Körper kann nur entspannt sein, wenn du von Augenblick zu Augenblick lebst. Wenn du isst, liebst, geniesst und der Augenblick wird dabei zur Ewigkeit, dann gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft…

    Den Moment Geniessen heisst auch Innehalten und Innehalten ist auch Achtsamkeit und Achtsamkeit ist auch Mitgefühl…und Mitgefühl ist Öffnung für die Welt und die Menschen. Und so geb ich damit als einzelner Mensch auch was an alle ab.

    Geniessen, wenn andere leiden?

    Dies ist auch die Antwort auf die Frage: „Darf ich geniessen, wenn es anderen Menschen auf dieser Welt nicht so gut geht wie mir oder wenn sie viel Leid erfahren?!“ Ich glaube nicht, dass es irgendjemandem nutzen würde, wenn ich auf Lebensgenuss verzichte.

    Ich kann auch geniessen, wenn andere leiden – ich helfe der Welt mehr um mich, wenn ich selbst zufrieden bin und dies auch ausstrahle… und auch das Mitgefühl kann sich so viel besser entwickeln…

    Kummer blickt zurück, Sorge blickt umher, Zuversicht schaut voraus!

    Und doch: Ich glaube, wir brauchen genauso auch die Spannung durch die Bewegung in die Zukunft oder in die Vergangenheit – dieser wechselnde Wellengang… weil auch dort das Leben ist… es gehört zu unserem Dasein, zur Geschichte, zum Vibrieren: Wir sind Vibration, weil wir nie still stehen.

    Wir sind Bewegung in und um uns – ein bewegliches Sein, ob wir wollen oder nicht, ob es bewusst oder unbewusst abläuft.

    Spannung halten, eine Weile mit ihr sein, ein Gefühl dafür entwickeln, dass sie da ist. Und dann Innehalten im Jetzt. Den Augenblick wirklich zulassen können. Dies scheint mir genauso wichtig, wie immer nur im „totalen Jetzt“ zu sein.

    Im Alltag Ruhe finden- Übung

    Dazu eine wunderbare und kraftvolle Übung von Jon Kabat-Zinn aus seinem Buch „Im Alltag Ruhe finden“:

    Absichtlich Sterben„:

    „Das Merkwürdige beim Innehalten ist, dass Du, sobald dues tust, sofort hier bist. Die Dinge werden einfacher. In gewisser Weise ist es, als würdest du sterben und die Welt um dich herum würde weiterhin bestehen. Wenn du nun tatsächlich sterben würdest, lösten sich deine gesamte Verantwortung und alle deine Verpflichtungen augenblicklich in Luft auf. Das, was davon übrigbliebe, würde auf irgendeine Weise ohne dein Zutun erledigt werden. Niemand anders kann die einzigartigen Pläne ausführen, die du hattest. Diese würden mit dir sterben oder vergehen, genauso wie es bei allen anderen Menschen, die gestorben sind, der Fall war. Deshalb brauchst du dir darüber im Grunde keine Sorgen zu machen. Und wenn dies so ist, dann brauchst du jetzt auch nicht sofort noch jemanden anzurufen, auch wenn du vielleicht meinst, dass dies notwendig ist. Du brauchst auch jetzt nichts zu lesen oder eine weitere Besorgung zu machen. Indem du dir ein paar Augenblicke Zeit nimmst, um »absichtlich zu sterben«, dich der Hetze des Alltags für einen Augenblick entziehst, während du in Wahrheit noch lebst, verschaffst du dir die notwendige Zeit für die Gegenwart. Indem du jetzt auf diese Weise »stirbst«, wirst du in Wahrheit lebendiger im Jetzt.“

    Das ist es, was das Innehalten bewirken kann.

    Der Dalai Lama wurde gefragt, was ihn am meisten überrascht; er sagte: “Der Mensch, denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht geniesst; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.”
    #kindleqoutes

    Herzlichen Dank an F.B. für genussvolles Mitforschen!

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    Letzte Aktualisierung durch Thomas Walser:
    12. August 2025

  • Distanz zu sich

    Distanz zu sich

    Was tut ein Mensch, der in Treibsand geraten ist? Natürlich: er will sich befreien. Er strampelt mit den Beinen, rudert mit den Armen – und bringt sich damit immer mehr in Schwierigkeiten.
    Was würde helfen? Innehalten, Ruhig-Werden und sich ganz flach hinlegen. So kann er dann langsam auf tragfähigen Boden robben.

    Dies verdeutlicht, welche Fehler Menschen oft machen, die mit belastenden Dingen, also emotionalen Triebsand fertig werden wollen. Mit quälenden Fragen wie „Warum musste mir das passieren?“ oder „Warum hat man mir das angetan?“ suchen sie Erklärungen, hoffen auf eine Befreiung von der seelischen Last… und erreichen das Gegenteil: Demütigungen, Kränkungen, Niederlagen, Fehler bleiben gerade dadurch in der Erinnerung lebendig. Der Versuch, das Erlebte „rückwärts“ zu erklären, verbaut ihnen häufig die Chance, befreit „vorwärts“ zu leben.

    Wenn wir versuchen, über Enttäuschungen und Kränkungen (oder auch eigenes Versagen) hinwegzukommen, machen wir einen grundlegenden Fehler: Wir sind zu nah dran. Wir hören die beleidigenden Worte des Freundes. Wir sehen sein verächtliches Gesicht. Wir spüren erneut die Demütigung, die Beschämung. Diese selbstzentrierte Art, über Zurückliegendes nachzudenken, hält uns in der Negativität gefangen.

    Mit einer einfachen Möglichkeit kann man in solchen Situationen innerlich etwas zurücktreten, um sich aus gewisser Distanz anzuschauen:
    Man kann sich vorstellen, dass man sich selbst aus der Perspektive einer Fliege an der Wand betrachtet – man nennt dies auch die „fly on the wall“-Perspektive.
    Statt über das „Warum“ nachzugrübeln, ermöglicht die distanzierte Sichtweise eine neutrale Beschreibung: „Was ist geschehen?“ Der Freund, dessen Bemerkung uns gekränkt hat, war durch extreme Arbeitsüberlastung gestresst. Er hatte sich nicht unter Kontrolle. Das war nicht schön, ist aber verständlich…

      
    Hierhin gehört auch ein Gedanke zu den grasierenden Selfies: Auch hier muss man aufpassen, dass man damit nicht immer und immer wider die eigenen Bilder von sich wiederholt, sich nur immer um sich selbst dreht und damit Dinge, wie Selbstverwirklichung, Egoismus, Leistungsdenken und Geltungssucht festigt. Ich denke viel mehr zu unserer Entfaltung und in die Weite führen uns Dinge, wie Demut, Hingabe, Gemeinschaftssinn und Spiritualität.

    Ja, es ist wichtig, mit sich im Guten zu sein, gut für sich zu schauen, sich an erste Stelle zu bringen. Aber der Egoismus und die Selbstverwirklichung sollten nicht einen übergrossen Raum im eigenen Leben einnehmen, damit die Weite in und um uns dabei nicht verloren geht. Die „fly on the wall“- Methode ist ein ideales Werkzeug, die momentane Egozentrierung (in der Treibsandsituation) etwas zu lockern und uns somit neue Perspektiven zu öffnen.

     Auch führt das Innehalten, Ausatmen, Nach-Innen-Reisen viel weiter. Mit der fly-on-the-wall Haltung nimmst Du das Aussen wahr und damit auch das Spiegeln in deinem Innern. >>>siehe mein Blog über Selbsterforschung.

    Reisen nach innen und immer wieder Innehalten helfen gut, mit sich selbst gut unterwegs zu sein, sich aber doch auch nicht als zu wichtig zu nehmen und der Selbstverwirklichung etwas weniger Kraft zu geben. Das ermöglicht Abstand von Sich-im-Kreis-zu-drehen und hilft uns gleichzeitig mehr in der Hingabe, der Spiritualität zu sein.

    Löst man sich mehr und mehr von starken Bildern, die man in sich trägt, ist die Möglichkeit stets offen, sich immer wieder neu zu entdecken und neu zu finden, so wie wir es vielleicht nie erwartet hätten.

     „Erlaube dir in inniger Bezogenheit, dich von deinen Vorstellungen über dich und das Leben zu lösen, auf das du dich jeden Tag neu kennen lernst und überraschen lässt von nie Gedachtem.“

    (Vielen Dank an Psychologie Heute und Ursula Nuber, die ich hier teilweise zitiert habe – und herzlichen Dank an die kreative Mitarbeit von Franziska Bless)