Selbsterforschung und Wachstum

Der Anfang einer Selbsterforschung kann ich mit der Untersuchung von „gewöhnlichem Wissen“ beginnen. Nämlich, wie alltägliches Wissen die eigene Erfahrung prägt. Bemerkenswert dabei ist:
Wir sehen nur das, was wir zu sehen erwarten.
Wir können also auch sagen: Ein Wachstum unserer Persönlichkeit beginnt mit dem Erkennen von Nichtwissen!

Anders ausgedrückt: Der häufigste und grösste Denkfehler dem wir unterliegen können, ist der sogenannte „Confirmation Bias“. Das heisst, man nimmt nur das auf, was der eigenen Theorie entspricht, die man eh schon im Kopf hat. Dieser Denkfehler findet man sehr häufig auch unter Wissenschaftler, die nur diejenigen Fakten betrachten, die zu ihrer Theorie und Annahme passt. Alles andere lassen sie stillschweigend weg. So werden ganze Studien verfälscht und bestätigen nur, was man bereits vorgegeben hat.

Achtung: Häufig bewegen wir uns auch im Internet – zum Beispiel in den Social Medias (Facebook, Twitter) im selben kleinen Kreis und bestätigen uns ohne wahren Wachstum immer nur selber. Das Prinzip des „Teilens“ (Share) der Beiträge, wie auch das Anzeigen der Freunde der Freunde unterstützt dieses Suhlen im kleinen Kreis (unschön gesagt: „Rudelwich…“)!
Viele „Likes“ sind für mich ein Hinweis auf diese „Bestätigung“ – und ich probiere gerade eben deshalb, die Beiträge mit wenig oder keinen „gefällt mir“ zu lesen! Die Philosophin Susan Neiman beschreibt dies sehr eindrücklich in ihrem wunderbaren Buch „Warum erwachsen werden?“: Das Sammeln von neuen Erfahrungen und Denkweisen macht uns erst „erwachsen“. Diese Erweiterung unseres Horizonts könnte uns – neben (abenteuerlichen) Reisen – auch das Internet geben… „könnte…“: Wir lesen halt oft nur die Blogs und Websites, die unsere Freunde auch lesen, was unsere Sicht noch weiter einschränkt…
Grosse Querdenker, die revolutionär Neues angedacht hatten (Darwin, Galileo, Spinoza, Freud…) hätten heute im Facebook wohl sehr wenige „Likes“!

Gegen diesen Denkfehler hilft etwas ungemein:
Betrachten Sie die Dinge immer wieder mal aus einer völlig anderen Perspektive. Machen Sie es wie die kleinen Kinder oder Katzen: betrachten Sie immer wieder alle Dinge und fremde Menschen neu und vorurteilsfrei. Entwickeln Sie eine distanzierte, umfassendere Sicht.
Geniessen Sie zum Beispiel mal einen “Gleichgültigkeitstag“: Alles ist an diesem Tag gleich-gültig. Sie können morgens auf der ungewohnten Seite aus Ihrem Bett steigen. Essen Sie anders – kleiden Sie sich farbiger – gehen Sie draussen mal in eine neue ungewohnte Richtung weg – und sprechen Sie die (vielleicht ablehnend, zerknirschte) Nachbarin freundlich an. So geben Sie Ihrer Welt eine neue Chance! Es wird Sie unglaublich bereichern.

Meditationen – auch kurzzeitige im Alltag sind „ziellose“ Tätigkeiten, die ebenfalls unseren Horizont enorm erweitern können:
www.dr-walser.ch/entspannung.htm