Schlagwort: Glaubenssatz

  • Nicht was wir erleben, sondern wie wir wahrnehmen was wir erleben, macht unser Schicksal aus

    Nicht was wir erleben, sondern wie wir wahrnehmen was wir erleben, macht unser Schicksal aus

    „Die Ursache des menschlichen Leidens sind nicht die Dinge, sondern die Meinungen über die Dinge.“ – Michel de Montaigne

    Wir sind keine „Opfer“ unseres Schicksals. Nicht WAS wir erleben, sondern WIE wir wahrnehmen was wir erleben, macht unser Schicksal aus! Dies hat schon Alfred Adler, den ich sehr wertschätze, so gesehen.
    Man darf sogar – analog unserer Wut (Niemand kann dich wütend machen, ausser Du selbst!) – von unserem Glück (aber auch der Angst) behaupten:
    Niemand kann dich glücklich oder ängstlich machen, nur du dich selbst!

    Projection creates Perception – Projektion erzeugt Wahrnehmung

    Projektionen (meines Innenlebens, meiner Urteile und Glaubenssätze auf die äussere Welt) kreieren meine Wahrnehmung.
    Ich sehe nicht die Welt, wie sie ist, sondern wie ich bin! Ich werde es sehen sobald ich es glaube. Nur das Ego will es umgekehrt. Ich werde immer nur meine Projektionen in der Welt erblicken. Ich bewege mich in meiner Echoblase. Ich unterliege dem häufigstens Denkfehler des Menschen, dem Bestätigungsdenkfehler: Nur das, was meine Welt, mein Glaube bestätigt, kann ich sehen. Den ganzen Rest vermeide ich, zu sehen.
    Ändere deine Gedanken, deine Glaubenssätze… und die Welt ändert sich.

    Wie schaue ich auf diese Welt? Welchen Gedanken höre ich zu? Welchen Wolf füttere ich?

    Erinnere Dich also täglich daran, dass es keinen Weg zum Glück gibt. Das Glück selber IST der Weg, eine Lebenshaltung, ein Entscheid! Ich kann mich entscheiden und meine Ansichten und Gedanken und Urteile über die Welt da draussen und über mich verändern. Dies ist wohl das Einzige, was wir überhaupt verändern können! Ich kann mein „Glück-Selbst“ füttern – ich kann aber auch, sobald ich glaube, dass mir jemand Schaden zugefügt hat, das „Opfer-Selbst“ füttern. Und dieses Selbst hat einen unersättlichen Appetit!

    Kernüberzeugungen

    Doch manchmal haben die Menschen einen festen Glauben (wie die Welt und die „Wahrheit“ sein soll), der sehr stark ist. Wenn ihnen Beweise vorgelegt werden, die gegen diesen Glauben arbeiten, können sie kaum akzeptiert werden. Es würde ein Gefühl erzeugen, das extrem unangenehm ist (kognitive Dissonanz). Und weil es so wichtig ist, die Kernüberzeugung zu schützen, werden sie alles rationalisieren, ignorieren und sogar leugnen, was nicht genau dazu passt.

    Meine Kernüberzeugungen sind eigentlich das, was ich denke, dass ich bin, also meine Identität, mein Ego. Kein Wunder, dass ich meinen Glauben verteidigen, schützen, rationalisieren und dabei alle Beweise ignorieren oder leugnen werde, die diesen in Frage stellen. Niemand kann mich von einer Wahrheit überzeugen, die ich nicht will.

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    Alltägliche Störungen, der kleine (und grosse) Ärger sind die Brotkrümel zum Glück

    Dies sind die kleinen Irritationen im Alltag, die nicht zu unseren Kernüberzeugungen passen – und die Licht auf meinen Weg zum Glück, zu Innerem Frieden werfen können. Der Alltag wird zu unserem Lehrmeister.

    Der Sechs-Schritte-Prozess, den ich vor Kurzem beschrieben habe, kann dabei zur wunderbaren Hilfe werden: walserblog.ch

    Versuche nicht die Welt oder deinen Partner zu verändern; verändere deine Wahrnehmung über die Welt

    Glück kann man auch in den dunkelsten Zeiten finden, wenn man nur daran denkt, das Licht einzuschalten. Wie stelle ich das Licht ein? Indem ich still bin; indem ich meinen Gedanken nicht glaube; indem ich nicht auf mein unaufhörliches Urteilen und Richten achte.

    Mehr noch: Wenn du eine Lampe für jemanden anzündest, wird es auch deinen Weg erhellen. Man könnte sogar sagen: Der einzige Weg, meinen Weg zu beleuchten, besteht darin, deinen zu beleuchten. Wenn ich unseren Weg nicht als eng miteinander verbunden erkenne, wird es nicht genug Lampen auf der Welt geben, um Licht auf meinen Weg zu bringen. Dein Lebenspartner wirkt wie ein Leuchtturm, der meist auch Gebiete erleuchtet, die durch Dein Licht im Dunkeln liegen. Diese Unterschiedlichkeiten werden mit diesem Bild als Bereicherung der eigenen Welt – und nicht mehr als Störungen erlebt.

    Unsere Gedanken befreien – in der Meditation

    Wenn wir ruhig und bequem mit gerader Wirbelsäule und halb oder ganz geschlossenen Augen dasitzen und meditieren, steigen Gedanken in uns auf – zornige Gedanken, glückliche Gedanken, beunruhigende Gedanken, angenehme Gedanken –, aber wir kümmern uns nicht um sie. Wir verkrampfen uns nicht, wir reagieren nicht, wir leisten keinen Widerstand und achten nicht auf sie. Wir sitzen einfach nur da. Dabei entdecken wir, dass Gedanken auftauchen und wieder verschwinden wie Wolken oder Vögel am Himmel oder Wellen im Ozean. Wenn uns klar wird, wie flüchtig und vergänglich unsere Gedanken sind, dann erkennen wir unser eigenes wahres Wesen im Schweigen, jenseits aller Worte, jenseits aller Gedanken.

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    Konstruktivismus in Zeiten des Coronavirus

    Doch… Konstruktivismus erklärt nicht alles! Es ist immer auch ein Misch-Masch zwischen einer „realen Wirklichkeit“ (dem Coronavirus!) und dem Konstruierten, Projizierten…
    Meine Lieblings­definition der Wirklichkeit stammt vom kanadischen Philosophen Charles Taylor (*1931):
    „Real ist das, womit man fertigwerden muss, was nicht allein deshalb verschwindet, weil es nicht den eigenen Vorurteilen entspricht. Aus diesem Grund ist das, was man im Leben unweigerlich in Anspruch nehmen muss, etwas Reales bzw. etwas so annähernd Reales, wie man es zurzeit erfassen kann.“ (Aus: Charles Taylor, «Quellen des Selbst», S. 117)
    Davon gibt es eine Populärversion von John Lennon: «Life is what happens to you while you’re busy making other plans.» Nach diesen Definitionen ist das Coronavirus ungemein wirklich. Wir müssen mit ihm fertig werden, obwohl wir andere Pläne hatten. (Daniel Strassberg, 31.3. in der Republik)

    Die Illusion der Unveränderlichkeit

    Das Statement einer simplen „Es ist, wie es ist“-Ideologie oder das „Wir haben keine Kontrolle darüber, was uns im Leben passiert, aber wir haben Kontrolle darüber, wie wir darauf reagieren“ mag in seiner radikalen Einfachheit zunächst einleuchten, doch in Verbindung mit dem fast solipsistischen Individualismus, den viele in den Social Medias propagieren, wird es zum Aufruf, sich einem feindlichen System anzupassen. Es fordert, den grösstmöglichen persönlichen Vorteil innerhalb dieses Systems zu suchen. Indem das Individuum stillschweigend mit dem „Unternehmer seiner selbst“ gleichgesetzt wird – ein Produkt der neoliberalen Ökonomie –, erklärt man alles ausserhalb dieses Individuums zur Natur und damit zur Unveränderlichkeit.

    Diese vermeintliche Natur wird zusätzlich durch den Rückgriff auf die Antike verstärkt, nicht auf die Philosophie der kapitalistischen Moderne. So entsteht der Eindruck einer überhistorischen Wahrheit. Wie das Römische Reich heute oft als Karikatur soldatisch-disziplinierter Männlichkeit erscheint, wird die Stoa als Zerrbild misogyn-individualistischer Grind-Ökonomen dargestellt. Die zentrale Botschaft, das Selbst auf innere Freiheit zu reduzieren – unabhängig vom Urteil anderer –, und die Reduktion aller Inhalte auf ihre Vermarktbarkeit in sozialen Medien widersprechen sich dabei nicht. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille: Wir sind am empfänglichsten für Verkaufsstrategien, wenn wir nicht merken, dass uns etwas verkauft wird.

    So habe ich es hier nicht gemeint.

    Statt dieser Simplifizierung zu erliegen, könnte die Auseinandersetzung mit der Stoa dazu anregen, unsere Handlungsspielräume neu zu denken: Warum erleben wir Freiheit heute vor allem als ökonomische Freiheit – und damit als Freiheit zur Selbstausbeutung? Was ist tatsächlich unveränderbar, und was können wir – besonders in solidarischer Gemeinschaft – verändern? Die Stoa lädt uns auch ein, aus dem Alltäglichen auszubrechen und über das Leben, die Welt und unseren Platz darin nachzudenken. Das mag nicht direkt helfen, Alltagsprobleme zu lösen, doch ein tieferes Nachdenken könnte uns zeigen, dass das Leben mehr ist, als Probleme zu bewältigen.

    Hier ein weiterer wunderbar kreativer Konstruktivist >>>

    Dinge, die wir besitzen oder erwerben und über die unser Urteil / Gefühle / Ideen ziemlich falsch und irreleitend sind: Miswanting >>>

    Foto von Tina Rolf auf Unsplash

    Letzte Aktualisierung von Thomas Walser:
    23. Juni 2025