Schlagwort: Erschöpfung

  • Longcovid und Postcovid

    Longcovid und Postcovid

    Der Unterschied zwischen Post und Long-Covid ist rein zeitlich: Man spricht von Long-Covid, wenn Covid-19-typische Symptome über einen Zeitraum von vier Wochen nach der Infektion auftreten. Haben Patientinnen und Patienten drei Monate nach ihrer Erkrankung immer noch Beschwerden, spricht man von einem Post-Covid-Syndrom.

    Post-Covid ist nicht selten und nicht harmlos

    Eine aktuelle Metastudie von März 2022, die 81 Studien zusammenfasst, zeigt, dass 30% der Covid-Erkrankten nach 6 Monaten noch Erschöpfung verspüren und 20% an kognitiven Beeinträchtigungen leiden. Besonders bemerkenswert: Es gab kaum Unterschiede zwischen Hospitalisierten und mild Erkrankten.
    Eine systematische Analyse, an der über 80 Forschungs­institute weltweit beteiligt waren, schätzt, dass etwa 6 Prozent der Infizierten drei Monate nach einer Infektion noch an Fatigue, kognitiven Störungen oder Atemwegs­problemen litten.

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  • Burnout

    Burnout

    Psychisch-Physischer Erschöpfungszustand

    Ich habe in meiner Hausarztpraxis den Begriff „Burnout“ wenig in den Mund genommen, da er meist für die betroffenen Menschen implizierte, dass sie alleine durch die Arbeit „ausgebrannt“ sind und selbst wenig dagegen tun können. Natürlich existieren klar Burnout-fördernde Arbeitsstellen, jedoch sind die eigenen Voraussetzungen und Reaktionen darauf genau so wichtig. Es existieren also auch klare Eigenschaften, die wir mitbringen, die dann zu diesem „Psychisch-Physischen Erschöpfungszustand“ führen – und so habe ich dann das „Burnout“ sinnvollerweise bezeichnet.

    Burnout umfasst eine tiefe Identitätskrise, die oftmals ihren Ursprung in zu hohen Erwartungen an eine Situation hatte. Die letztendliche Totalerschöpfung ist das sozial akzeptierte Zeichen nach aussen, dass etwas nicht stimmt. Burnout ist allerdings mehr als Erschöpfung, die auch entstehen kann wenn man wegen Termindruck drei Wochen durcharbeitet oder fünf Freunden am Stück beim Umzug hilft. Burnout entsteht früher und geht tiefer. Wer selbst noch in der Lage ist, die Reissleine zu ziehen und aktiv Dinge zu tun, die einem gut tun, ist zum Glück noch ein Stück vom Burnout entfernt.

    Typische Burnout Symptome sind:

    • Lustlosigkeit, Übellaunigkeit, Gereiztheit,
    • Gefühle des Versagens, der Sinnlosigkeit,
    • Gefühl von Überforderung und Angst, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein,
    • mangelndes Interesse am Beruf oder Aufgabenbereich, Gleichgültigkeit gegenüber Projekten, die man normalerweise spannend finden würde,
    •  Konzentrationsprobleme, permanente Müdigkeit, Mattigkeit, Kraftlosigkeit und Erschöpfung.

    Was hilft prophylaktisch und auch therapeutisch gegen das Burnout?

    • Nein sagen lernen! Sie können nicht immer allen alles recht machen, ob im Beruf oder in Beziehungen! Wer keine Grenzen ziehen kann, wird unzufrieden und hat bald das Gefühl, dass andere mehr über die eigene Energie und Zeit verfügen als man selbst. Lernen Sie ihre eigenen Bedürfnisse kennen und leben Sie danach.
      Die Arbeitsstelle scannen auf Situationen, in denen wir ohnmächtig sind: Überreglementierung, Ausbeutung und Allverfügbarkeit. Burnout ist eine Kompetenz. Wer ausbrennt, sollte sich das nicht als Schwäche oder Versagen auslegen, er kann stolz sein auf sein Engagement – „müdstolz(Peter Handke). Ein Müdstolzer weiss um seine Leistung und hat daher kein Problem damit, sich und anderen einzugestehen: „Ich kann unmöglich allem gerecht werden!“
      Er empört und wehrt sich an der richtigen Stelle.
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    • Seine Resilienz vergrössern. Die „Resilienz“ ist unsere Kraft zum „Gedeihen trotz widriger Umstände“.
      Dazu ausführlich hier: /krise/
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    • Dann ist in unserer Zeit des Dauerstress die Entspannung das A und O. Der Rhythmus von Spannung und Entspannung (Kontakt und Rückzug, etc.) sollte auch über die Arbeitswoche weg erhalten bleiben. Das optimale Modell für Dauerstressgeplagte und Leute mit Burnoutgefährdung ist eine 80%-Arbeit mit einem ganztägig freien Mittwoch!
      Weiterlesen: /entspannung/

    Auch im Winter kann man “saisongerechter” Leben und sich bei kürzerem Tageslicht und grösserer Nachtlänge mehr zurückziehen, zur Ruhe kommen und länger Schlafen: also mehr erholen und entspannen (mehr dazu).

    • Distanz zur Arbeit erhöhen: Keine ständige Erreichbarkeit zu Hause, also keine Arbeitmails, natürlich auch keine Telefons.
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    • Aufgaben delegieren: Man muss nicht immer alles selber machen – und auch nicht sofort – und auch nicht perfekt!
      Perfektionismus (höchste Ansprüche an sich selbst, strenge Selbstkritik und die ständige Sorge, Fehler zu begehen) kann krank machen, depressiv und ausgebrannt. Therapeutisch hilft, dem „Inneren Kritiker“ mit Mitgefühl zu begegnen. Menschen, die trotz leistungsfordernder Gedanken in schwierigen Momenten achtsam und liebevoll zu sich waren oder eigene Misserfolge eher als Teil der menschlichen Entwicklung sahen, geht es darauf wesentlich besser.

    Weiterlesen auf meiner Website: www.dr-walser.ch/burnout/

    Letzte Aktualisierung:
    13. Januar 2023

  • Burnout, die gestörte Fähigkeit zur Empfindung positiver Emotionen!

    Burnout, die gestörte Fähigkeit zur Empfindung positiver Emotionen!

    Das Standard-Messinstrument bei Burnout ist der Maslach Burnout Inventory, der 3 Dimensionen untersucht:
    Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit.

     
    Die Realität eines Menschen wird durch seinen Fokus bestimmt. Ganz ähnlich ist es mit dem Gefühl, das seine Wahrnehmung beeinflusst. Ganz oft, wenn wir uns leer und ausgebrannt fühlen, vergessen wir, dass sich dadurch, was wir wahrnehmen, verändert und achten nicht mehr auf die übrige Welt um uns herum. So erinnern sich etwa Personen, die sich gestresst oder ausgebrannt fühlen, bei einer Reihe positiver, neutraler und negativer Bilder mit erstaunlicher Detailtreue an das, was auf den negativen Bildern zu sehen ist, wo hingegen sie keine Fakten von den positiven oder neutralen Bildern zu berichten wissen.
    Aus evolutionsbiologischer Sicht möge das auch sinnvoll sein. Wenn Sie auf der Flucht vor einem Säbelzahntiger sind, achten Sie vielleicht darauf, wer Sie noch gerne zum Mittagessen hätte oder was Ihnen bei der Flucht im Weg ist, aber Sie werden wohl nicht innehalten und einen schönen Regenbogen bewundern. Für das Überleben unserer Art ist das auch gut so, doch für das individuelle Wohlbefinden und Glück ist das verheerend.
    Burnout ist im Grunde die gestörte Fähigkeit zur Empfindung positiver Emotionen – und Interventionen, die bei Burnout erfolgreich sind, haben offenbar alle etwas gemeinsam: Sie alle steigern die Fähigkeit einer Person, positive Emotionen zu erleben.
     

    3 schöne Dinge“ gegen Burnout

    Um dem entgegenzuwirken und Burnout zu lindern, testete ein Forscherteam unter Bryan Sexton an der Duke University School of Medicine in Durham, North Carolina, USA („3 schöne Dinge“: Simple Methode gegen Burnout lindert Symptomatik bei Ärzten und Pflegepersonal nachhaltig – Medscape – 11/2017) ein einfaches Programm mit dem Namen „3 schöne Dinge“.
    Für die Untersuchung baten die Forscher jeden Freiwilligen darum, täglich vor dem Zubettgehen 3 schöne Dinge aufzuschreiben, die ihnen am Tage widerfahren waren, und ihnen eines von den 10 positiven Gefühlen zuzuordnen, die am ehesten bei einem Burnout beeinträchtigt sind: Freude, Dankbarkeit, Gelassenheit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen, Inspiration, Erstaunen und Liebe.
    Dabei kann es sich auch um scheinbare Kleinigkeiten wie eine lustige Fernsehsendung oder die mit Freunden verbrachte Zeit handeln.
    Es wurden unterschiedlich lange Interventionszeiträume getestet, doch meistens gingen sie über 7 bis 14 Tage, wobei 10 Tage der entscheidende Zeitraum zu sein schien, also 1 oder 2 Wochen jährlich Dauer genügen!
    In manchen Settings haben die Teilnehmer ihre „3 schönen Dinge“ mit anderen Teammitgliedern geteilt, entweder online oder einfach auf ein Stück Papier geschrieben und an das Schwarze Brett der Abteilung gepinnt. Das Teilen scheint den positiven Effekt zu verstärken.
    Auch wenn Personen nicht bereit sind, speziell am „3-schöne-Dinge“-Projekt mitzumachen, können die Abteilungsleiter die Vorteile des Ansatzes auf andere Weise kultivieren, indem es z.B. feste Verabredungen gibt, darüber zu sprechen, was bei der Arbeit gut funktioniert und nicht nur zu schauen, was sich verbessern muss. Die Leiter sollen sich zum Beispiel immer wieder mal erkundigen, was gut läuft und Wert darauf legen, diese Erfolge und die beteiligten Personen gezielt positiv hervorzuheben und zu „feiern“.
     
    So verrückt es auch klingen mag, aber dadurch trainieren Sie Ihren ‚Muskel‘, der für die Wahrnehmung der guten Dinge in unserem Leben zuständig ist und Sie setzen damit den vielen anderen Dingen, die Ihr Gehirn immerzu drängen, sich auf die negativen Dinge zu konzentrieren, etwas entgegen.
    In dieser Studie stellten die Untersucher einen Rückgang der Burnout-Symptomatik um 15% nach nur 2 Wochen fest (von 65% auf 50% im Maslach Burnout Inventory).
    Ein Jahr nach der Intervention, waren immer noch 48% der Personen voll leistungsfähig.
    Die Untersuchten klagten in den folgenden Untersuchungen auch signifikant weniger über Depressionen, Verspätungen, Konflikte und berichteten von einer bessere Work-Life-Balance.
     

    Letzte Aktualisierung:
    30. Januar 2025