Long COVID

Long Covid ist nicht selten und nicht harmlos!

Eine aktuelle Metastudie, die 81 Studien zusammenfasst, zeigt, dass 30% der Covid-Erkrankten nach 6 Monaten noch Erschöpfung verspüren und 20% an kognitiven Beeinträchtigungen leiden. Besonders bemerkenswert: Es gab kaum Unterschiede zwischen Hospitalisierten und mild Erkrankten.
Eine jüngst im Fachmagazin Lancet veröffentlichte Studie aus China fand bei der Hälfte aller aus einem Klinikum entlassenen Covid-Patient*innen ein Jahr nach „Genesung“ noch Symptome wie Depressionen, Muskelschmerzen oder chronische Erschöpfung.

Brain Fog und mehr…

10% aller Covid-Kranken erleiden ein „Long Covid“, was bedeutet, dass sie während 8–10 Monaten an Hirnfunktionsstörungen (Brain Fog) leiden. Viele davon sind nicht mehr in der Lage, zu lesen oder E-Mails zu beantworten. Einen monatelangen Verlust des Geruchssinns beklagen fast alle. Sehr typisch sind auch Depression und Angst, was vorher ein unbekanntes Problem für sie war. Vereinzelt kamen Wortfindungsstörungen vor oder die Unfähigkeit, einem Gespräch zu folgen. Beim Versuch einer körperlichen Aktivität erleben Betroffene anschliessend eine massive Verschlechterung der Erschöpfung, waren noch knapp in der Lage, den Briefkasten zu leeren. Sie konnten nur noch liegen und beim Aufstehen treten Pulsrasen und Ohnmachtsanfälle, ein sogenanntes POTS (Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom), auf. Häufig leiden sie unter schweren Schlafstörungen, seltener unter andauernder Atemnot.

Eine Studie der Universität Oxford zeigte kürzlich, dass sogar Menschen, die sich nach ihrer Covid-Erkrankung wieder gesund fühlten, in kognitiven Tests schlechter abschnitten als Nichterkrankte. Vor allem das Gedächtnis und die Fähigkeit, sich über eine gewisse Zeit zu konzentrieren, litten nach Covid-19 während mindestens sechs Monaten. Schon letzten Sommer hatte eine britische Untersuchung Ähnliches gezeigt.

Long-Covid nach Impfungen?

Zuerst mal muss nochmals deutlich erwähnt werden, dass bei einer Covid-Erkrankung die Gefahr konkreter Langzeitfolgen um ein Vielfaches höher ist als hypothetische, bisher unbekannte Folgen der Impfungen. Long Covid ist Realität. Der Verlauf der Krankheit und die Spätfolgen sind viel schlimmer als alles, was wir über die Impfstoffe wissen.

Wer geimpft ist, hat einen besseren Schutz vor Long-Covid

Neue Studien bestätigen, dass Langzeitsymptome bei Geimpften deutlich seltener auftreten als bei Ungeimpften: Diese neue israelische Studie  bestätigt die umfassende Studie aus England, welche im September 2021 zeigte, dass bei doppelt Geimpften das Risiko, nach einer Durchbruchsinfektion Langzeitsymptome zu haben, um die Hälfte reduziert war.

In diesen grossen Studien wurden zehn Beschwerden untersucht. Am häufigsten klagten die Betroffenen über die bleierne Müdigkeit Fatigue (22 Prozent), Kopfschmerzen (20 Prozent), Schwäche in Armen oder Beinen (13 Prozent) und anhaltende Muskelschmerzen (10 Prozent).
Die Forschenden sahen bei sieben von zehn Symptomen ein um 54 bis 82 Prozent kleineres Risiko, dass Geimpfte diese Beschwerden hatten im Vergleich mit den Ungeimpften. Bei den häufigsten vier Symptomen war das Risiko wie folgt reduziert: Müdigkeit um 64 Prozent, Kopfschmerzen 54 Prozent, Schwäche um 7 Prozent, und Muskelschmerzen um 68 Prozent. 
Die durchschnittliche Dauer der Long-Covid-Symptome war bei den Geimpften mit vier statt acht Monaten halb so lang.
Nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass viele Geimpfte sich gar nicht erst mit dem ­Virus infizieren.

Long Covid bei Omikron

Es gibt noch keine Anzeichen dafür, dass mit Omikron das Risiko für Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung sinkt. Es leiden ja bislang etwa 10 Prozent der Erkrankten an Long Covid, das sich unabhängig von der Schwere der Krankheit entwickelt und häufig auch nach einem sogenannt milden Verlauf. Auch wenn es deshalb den Anschein macht, dass diejenigen, die sich mit Omikron infizieren, weniger schwere Symptome haben als bei Delta, sollten wir uns davor hüten, die Variante als «mild» zu bezeichnen.

Gehören meine Symptome zu Long Covid – und wie gross ist mein Risiko LC zu entwickeln?

Das Modell zur Einschätzung des Long-COVID-Risikos, Unispital Zürich USZ-Immunologie:
Sie (und auch Ärzt*innen) können mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens das Long-COVID-Risiko besser vorhersagen: pacs-score.com

Ursachen von Long Covid

Long Covid scheint eine gesteigerte pathologische Immunreaktion zu sein, bei der auch, wie bei vielen anderen Krankheiten, eine chronische Entzündung ein zentraler Mechanismus ist. Dieser Zustand ist durch Müdigkeit (Brain Fog), Überempfindlichkeit und Übererregbarkeit gekennzeichnet (siehe auch die Ähnlichkeit zur Neuroinflammation).

Daraus ergibt sich auch ein Lebensstil als Therapie, der entzündungswidrig ist – und eigentliche Resets für unseren Körper beinhaltet:

Therapieansätze

So lässt sich dann auch ableiten, weshalb mässige, aber regelmässige Bewegung beim Long COVID hilft. Diese Muskelaktivität führt über diverse komplizierte Vorgänge (siehe folgende Abbildung, die sich auf die verwandte Neuroinflammation bezieht) zu einer starken Verbesserung.
Die übermässige, leistungsbetonte Bewegung (Leistungssport) verstärkt hingegen die Long-Covid-Symptome durch Ausschüttung der Hormone Cortisol, Adrenalin und Entzündungsstoffe, wie die Zytokine!

(Copyright Prof. Jürgen Sandkühler, Zentrum für Hirnforschung, Medizinische Universität, Wien; http://cbr.meduniwien.ac.at)


Auch eine spezielle entzündungswidrige Ernährung, d.h. viele Pflanzen, wenig Alkohol und wenig Fleisch, viele Bitterstoffe (Polyphenole, wie schwarze Schokolade, Kaffee, bittere Öle (Lein-, Raps-, Olivenöl) verbessert die Post-Covid-Überreaktion. Dies entspricht in etwa der „mediterranen Ernährung“.
Die vegetarische (ev. sogar sorgfältige vegane) Ernährung ist hier optimal, auch da damit unsere Darmflora massiv besser wird!

Weiter verweise ich auch auf das 16:8-Kurzfasten, welches enorm entzündungswidrig ist und so auch gegen Long Covid wirkt!

  • Ernährung entzündungssenkend: mediterran; auch vegetarisch oder (sorgfältig) vegan (bessere Darmflora!); Kurzfasten, wie 16:8.
  • Mehr Bewegung – mässig und regelmässig.
  • Mehr Beruhigung, Entspannung, Innerer Frieden…
    Meditieren… Sie sind dadurch weniger gestresst und gereizt.
  • Soziale Isolation vermeiden…(Metastudie)

Weitere Therapieansätze:
https://oegam.at/artikel/long-covid-leitlinie-s1kurz

Vorsicht: zu früh und zu viel Sport nach Covid kann auch Long-Covid fördern!

Copyright Sonntagszeitung

Veröffentlicht am 16. Januar 2022 von Dr. med. Thomas Walser
Letzte Aktualisierung:
30. März 2022

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