Corona-Aufsteller

Gesundheitszustand steigt…

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie gibt es weniger Menschen, die infolge einer akuten Verschlechterung eines chronischen Leidens hospitalisiert werden. In der hier vorgestellten Studie wurde untersucht, ob die Massnahmen im Zusammenhang mit der Pandemie mit einer Reduktion der saisonalen Virusinfektionen und COPD-bedingter Spitaleinweisungen einhergingen (COPD = Chronische Bronchitis).

Kommentar vom Infomed-Screen, 25, Sept. 2021: „Über die Gründe des Rückgangs von Hospitalisationen wegen chronischen Krankheiten in Zeiten der Pandemie wird viel gerätselt und spekuliert. Durch eine intelligente Gegenüberstellung verschiedener chronischer Krankheiten wurde bei der COPD der Einfluss der respiratorischen Viren, die in einer Population zirkulieren, deutlich gemacht. Nun können wir uns bereits heute überlegen, was daraus hinsichtlich der Prävention respiratorischer Krankheiten abgeleitet werden kann – in einer unbestimmten Zukunft, wenn die aktuelle Pandemie überwunden sein wird.

Quelle: So JY, O’Hara NN, Kenaa B et al. Population decline in COPD admissions during the COVID-19 pandemic associated with lower burden of community respiratory viral infections. Am J Med. 2021 Jun 12;S0002-9343(21)00355-7. [Link]

Vertrauen ist gut. Punkt.

…schreibt die Republik:
Keine Masken, kein Abstand, kein Zertifikat – Dänemark hat als erstes Land in Europa die Pandemie für beendet erklärt. Wie hat es das geschafft?

Vertrauen ist, so idealistisch sich das anhören mag, der Hauptgrund, dass in Dänemark wieder Konzerte ohne Maske und Zertifikat, dafür mit 50’000 Besucherinnen stattfinden können. Weil das Vertrauen in die Behörden gross ist, lassen sich viele Menschen impfen. Und weil so viele geimpft sind (mehr als 80%), leben die Dänen wieder wie vor der Pandemie. Doch wie funktioniert das mit dem Vertrauen? Und was hat das mit der Wirtschaft zu tun? «Wenn wir über Ökonomie sprechen, dann oft, als wäre das etwas total Rationales, dabei spielen Emotionen eine grosse Rolle», schreibt der dänische Autor Theis Ehler Molin in seiner Analyse. Und erklärt den einzig­artigen Weg seines Landes durch die Corona-Krise.
Quelle: republik.ch/2021/10/01/wie-daenemark-die-pandemie-beendete

Häufig ist aber Vertrauen zu müssen eine schwere Kränkung!

Galileo Galilei und die Entwicklung der Naturwissenschaften – bis zur Unverständlichkeit für uns Laien…

Entgegen der Ansicht Aristoteles, der verbissen alle Tatsachen über die Natur sammelte, kamen Kopernikus und Galileo Galilei und warfen, gegen den Widerstand der Kirche, die Bücher – Bücher war im Mittelalter ohnehin ein Synonym für die Bibel und die Werke von Aristoteles – über Bord und begannen, die Welt durch genaue Beobachtung so zu beschreiben, wie sie wirklich ist. Das war die Geburts­stunde der modernen Natur­wissenschaft: Die genaue Beobachtung ersetzte das religiöse und aristotelische Bücher­wissen.

Um die objektiven Gesetze der Natur zu ermitteln, mussten die subjektive Wahrnehmung und die persönliche Erfahrung ausgeschaltet werden. Dazu stehen drei Wege zu Verfügung:

  1. die Kontrolle der Wahrnehmung durch das Experiment
  2. die Verbesserung der Wahrnehmung durch Instrumente wie Fernrohr oder Mikroskop
  3. die Mathematisierung der Physik

In Newtons Mechanik verbindet dann nur noch ein dünner Faden die subjektive Vorstellung mit natur­wissenschaftlichem Wissen. Auch wer die dazu­gehörige Mathematik nicht beherrscht, erfasst noch intuitiv, was Kraft, Stoss, Beschleunigung, freier Fall oder leerer Raum sind.

Dieser Faden riss im 19. Jahr­hundert. Die Thermo­dynamik von Nicolas Sadi Carnot, die Feld­theorie von James Maxwell und dann die allgemeine Relativitäts­theorie von Albert Einstein haben die Verbindung von Vorstellung und Wissen endgültig gekappt. Ihre Entdeckungen waren nicht das Resultat von Beobachtungen, sondern von Berechnungen, die kaum noch jemand verstehen, geschweige denn sich vorstellen kann. Können Sie sich einen gekrümmten Raum vorstellen, oder wie ein Magnet ein Kraftfeld erzeugt oder was die 11. Dimension ist, in der die String­theorie die Gravitations­kraft mit dem Standard­modell der Teilchen­physik vereint? Oder wie eine Messenger-Ribonuklein­säure (mRNA) eine menschliche Zelle dazu bringt, ein Protein zu bauen?

Die Forderung der Aufklärung nach Selbst­denken (gemäss Kant) war von Anfang an ein leeres Versprechen. Wir alle wachsen in und mit Institutionen auf, die Autorität beanspruchen: Familie, Schule, Medizin. Im Laufe der Entwicklung können wir einige von ihnen hinterfragen, viele andere aber nicht. Wer die Haus­ärztin aufsucht, muss ihr nolens volens glauben, daran ändert auch die viel beschworene Aufklärungs­pflicht wenig.

Auch die Wissenschaft fordert Glauben ein, das Besondere an ihr ist aber die Tatsache, dass wir an sie glauben müssen, obwohl wir uns nicht einmal mehr eine Vorstellung davon machen können, wovon sie überhaupt spricht. Der Verstand des Laien – und der meisten Wissen­schaftlerinnen, die nicht genau in dem jeweiligen Gebiet tätig sind – ist angesichts ihrer Erkennt­nisse hoffnungslos überfordert. Er kann nur darauf vertrauen, dass stimmt, was behauptet wird und die institutionellen Kontroll­mechanismen nicht versagen.

Die modernen Natur­wissenschaften katapul­tieren uns gewisser­massen in eine voraufgeklärte Welt zurück, in der wir Autoritäten wieder so blind vertrauen müssen wie einst der Kirche: Die eigene Wahrnehmung hatte damals keine Bedeutung, und sie hat heute keine, der eigene Verstand zählte damals nicht, und heute auch nicht.

Impfskeptikerinnen – und andere Esoteriker – wollen und können auf die Autorität der eigenen Empfindungen und Wahrnehmung nicht verzichten. Vertrauen zu müssen, ist eine schwere Kränkung. Um diese zu vermeiden, zimmern sie sich eine eigene Welt mit einer eigenen Wissenschaft zusammen, in der die subjektiven Wahr­nehmungen, Emotionen und Überlegungen ihren Wert zurück­bekommen und persönliche Empfindungen wie bei Aristoteles zu objektiven Tatsachen werden: Ich habe Angst vor der Impfung, also muss sie gefährlich sein. Masken zu tragen ist mir unangenehm, also nützen sie nichts.

Impfskeptiker sind Wissenschafts­skeptiker, die mit der Kränkung nicht fertig­werden, glauben zu müssen, ohne zu verstehen, geschweige denn nachprüfen zu können. Sie beharren auf ihrer Wahrnehmung.

Um das aufgeklärte Ideal der «Autonomie» zu retten, – um Freiheit geht es ja in ihren Demonstrationen immer – kehren sie zum Aristotelismus zurück, zu einer voraufklärerischen Wissenschaft also, in der das subjektive Erleben noch im Zentrum stand.
Quelle: Daniel Strassberg, 28.09.21 in der Republik

Veröffentlicht am 09. Oktober 2021 von Dr. med. Thomas Walser
Letzte Aktualisierung:
08. November 2021

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