Welches Menschenbild habe ich und mein Arzt/Therapeut?

Es lohnt sich mal zu überlegen und eventuell auch gleich direkt nachzufragen, welches Menschenbild eigentlich meine Therapeut*in hat. Dieses beeinflusst nämlich stark die Art Therapie, die mir bevorsteht. Fragen Sie sich dann, ob Sie sich selbst auch so sehen und dann diese Behandlung wirklich wollen!

Nimmt Ihre Therapeut*in schnell diagnostische Begriffe in den Mund: „Depression“, „Chronisches Fatigue-Syndrom“, „Multiple Chemical Sensitivity“, „Glutensensitivität“, „Borderline“, „Autismus Spektrum“, „ADHS“, „Hochbegabung“ und weitere Einteilungen, die meist einen digitalen Hype erleben und bei der Suche im Web eine umfangreiche Liste von diversen Symptomen zu Tage fördern, in denen sich alle Menschen auf die eine oder andere Weise finden werden!
Deshalb sagt die wunderbar klar denkende und mutige Wissenschaftlerin Mai Thi Nguyen-Kim auch: „Je mehr man googeln kann, desto mehr muss man wissen!„.

Entschlacken – Entgiften – Detox…

Hellhörig werde ich, wenn ich höre, dass „Heiler*innen“ ihren Klienten den Genuss am Leben ver-gällen wollen, madig machen… Ein Mensch, der von seinen Mitmenschen ein Bild als Müllhalde hat – jemand also, der entgiftet werden muss (Darmspülungen, Dauerbrause, Detoxikationen…) oder der ein Horrorszenario von Umweltgiften, Pilzen (Candida im Blut…) und Mikroorganismen ausmacht – „madig“ eben…
Diesen Memplex (= Komplex von Bewusstseinsinhalten (Meme)) des Entgiften, Entschlacken, «Aufräumens» trifft man auch in der Politik: In der jetzigen Covidzeit gibt es Kreise, die die Herdenimmunität mit Aussondern der Alten, Schwachen und Kranken aus unserer Gesellschaft begrüssen würden! Denkt man bei „unwertem Leben“ nicht gleich an eine dunkle Zeit in Europa vor und während des zweiten Weltkrieges?!

Es scheint auch meist viel „Galle“ im Spiel zu sein (ver-gällen), meist in Form einer aggressiven Art, sich von sämtlichen „Nichtgläubigen“ abzugrenzen: Schulmediziner grenzen z.B. Homöopathen aus – und umgekehrt, Impfverfechter Impfgegner, usw..

Salutogenese vs. Pathogenese

Skeptisch soll man als mündiger Mensch werden, wenn von solch schrecklichen Menschenbildern ausgegangen wird, wenn nur auf die kranken Seiten fokussiert wird und nicht auch auf die gesunden, wenn abgegrenzt wird – und auch wenn (meist teure) Behandlungen und Apparate als das Einzigrichtige verkauft wird (Stichwort „Guru-Medizin“). Gegen Elektrosmog und Wasseradern benötigt man keine tausendfränkigen Abschirmungen – man findet im Internet auch Bastelanleitungen für wenige Euros. Das Bett verstellen oder den Radiowecker ausziehen und das Handy nachts in Flugmodus schalten, kann schon genügen. Diätpläne müssen nicht teuer erkauft werden (man liest besser meine wenigenTipps dazu auf ernaehrung/). Auch Fitness nicht (jogging). Anti-Aging auch nicht (anti-aging). Amalgam soll nicht auf einmal rausgerissen werden: max. zwei Plomben im Jahr sind für unseren Körper noch tragbar…

Weiterlesen zur sozialen Kontrolle durch Gesundheit, zu „religiösen“ Moralvorstellungen der heutigen Medizin – also auch , zu Genuss und Schuldgefühle hier auf meiner Website: www.dr-walser.ch/genuss/

menschenbild

Ist mein Arzt/Therapeut ein salutogenetisch oder pathogenetisch denkender und lebender Mensch?

Diese Tabelle zeigt nur die extremen Gegenpole auf und alle Menschen finden sich irgendwo hier oder dazwischen. Erkennen Sie sich selbst!

Der salutogenetisch denkende und handelnde Mensch.Pathogenetisch denkender und handelnder Mensch.
Bekommt meist schon in der Jugend durch liebevollen Umgang in der Ursprungsfamilie vermittelt: „Es ist gut. Ich bin gut. Ich kann vertrauen. Die Menschen sind in Ordnung.“Hatte meist eine autoritäre, bestrafende Erziehung: bekommt vermittelt, dass man den Menschen nicht trauen kann. „Es ist nicht gut. Ich bin schlecht. Ich kann nicht trauen.“
Glaubt, dass der Mensch im Grunde gut ist.Glaubt, dass der Mensch nur als Fassade gut ist, dahinter aber ein eigennütziger und auch gewalttätiger Egoist.
Geht im Zweifelsfall vom Guten aus.Geht im Zweifelsfall vom Schlechten aus.
Vertrauen dem Mitmenschen gegenüber.Misstrauen dem Mitmenschen gegenüber.
Sucht in erster Linie die Nähe.Geht schnell auf Distanz.
Einschub: Distanz kann der Handlanger des Bösen sein: Distanz lässt uns im Internet gegen Fremde wüten. Distanz hilft Soldaten dabei, ihren Widerwillen gegen Gewalt zu umschiffen. Distanz hat die grössten Verbrechen der Geschichte ermöglicht, von der Sklaverei bis hin zum Holocaust.
Versucht den Anderen zu verstehen, auch wenn er keine Zustimmung aufbringen kann.Sucht kein Verständnis für den Anderen.
Glaubt, dass jeder Schicksalsschlag, wie schlimm er auch ist, ein positives Geschenk versteckt hat.Kann zwischenmenschlich ein kalter, meist hasserfüllter Geist der Spaltung entwickeln.
Die wichtige Frage ist: „Wozu ist es gut?“Die wichtige Frage bleibt: „Warum?“
Liebe Deinen Nächsten, so wie auch andere ihre Nächsten lieben.Die Nächstenliebe ist beim abspaltenden Menschen trennend mit Fremdenhass kombiniert.
Sieht jeden Menschen als eigenen, speziellen Farbton im immensen Spektrum aller Farben.Schwarzweissmaler.
Interessiert sich und anerkennt Unterschiede der Menschen, des Gegenübers.Urteilt und teilt schnell in „gut und böse“. Macht selbstgerechte und respektlose Urteile über Andersartige, Fremde – selbst Kranke.
Weiss, dass es auch ganz anders sein kann.Besserwisser.
Extreme Entwicklungs-möglichkeiten:
Verschwörungs-theoretiker. Rassist. Faschist.
Schaut wenig News (im TV) – geht damit auch weniger auf Distanz zu seiner Umwelt.(Negative) News bestätigen ihn, dass der Mensch im Grunde schlecht ist.
Innerer Frieden.Gespannt, Stress.
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Der salutogenetisch denkende und handelnde Arzt/Therapeut:Pathogenetisch denkender und handelnder Arzt/Therapeut:

Pygmalion-Effekt gemäss Rosenthals Rattenexperiment (die Art und Weise, wie seine Studenten die «intelligenten» Ratten berührten – liebevoller, sachter, erwartungsvoller –, veränderte das Verhalten der Ratten. In der Folge schlossen sie dann auch bei Tests besser ab.)
Golem-Effekt (Menschen, von denen wir weniger erwarten, würdigen wir seltener eines Blickes. Wir halten Abstand. Wir lächeln ihnen seltener zu. Worauf sie dann auch bei Tests prompt schlechter abschneiden.)
Glaubt als Arzt/Therapeut an die Ressourcen des Klienten. Vertraut ihnen.Glaubt, dass der Mensch zu schwach zur Selbsthilfe ist. Misstraut den Selbstheilungskräften.
Er ist selbst ein Placebo.Ist selbst ein Nocebo.
Es gibt keine Hilfe, nur Selbsthilfe – keine Heilung, nur Selbstheilung.Hilft zuviel – und kann damit die Selbstheilung ersticken.
Krankheit als Chance.Krankheit als Schuld. Nennt Konzepte, wie „Karma“ und „vorgeburtlich“ im Zusammenhang mit unklaren Krankheitsursachen.
Die wichtige Frage ist: „Wozu ist es gut?“ Die wichtige Frage bleibt: „Warum?“
Viel Mitgefühl vorhanden: zeigt sich durch Akzeptanz und Respekt.Wenig Mitgefühl/Akzeptanz/Respekt möglich.
Komplementärtherapeutischer Stil – u.a. durch „Informed Consent“: Informieren, Aufklären und den Klienten am Prozess mitbeteiligen lassen.Patriarchalischer Stil – Der Arzt/Therapeut sagt, wie’s steht und geht…
Das Kohärenzgefühl (Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit des ganzen Prozesses!) des Klienten wird gestärkt.

Veröffentlicht am 13. Mai 2021 von Dr. med. Thomas Walser
Letzte Aktualisierung:
18. Mai 2021