PAINS, „Hochstaplermoleküle“

all pain, no gain!

Das typische an PAINS sind lange Listen von wundersamen Heilwirkungen, die im Internet rumgeistern. Doch Achtung: Es sind allesamt sogenannte Hochstaplermoleküle oder eben PAINS (Pan-assay-interference-compounds). Sie gaukeln uns alles im Reagenzglas vor – und halten dann nichts in den klinischen Versuchen am Menschen.
Eben: „all pain, no gain!“ (J. Baell & M.A. Walters in Nature).

Curcumin in Kurkuma und Resveratrol im Wein

Ein Musterbeispiel dafür ist das Curcumin (Kurkuma). Ich habe gleich an zwei Stellen meiner Website Kurkuma rausnehmen müssen, nachdem ich das entlarvende Video von maiLab zu PAINS gesehen habe: https://youtu.be/TjqhsbGUoJw. Dieser YouTube-Kanal ist höchst empfehlenswert – diese Frau ist eine Wucht!

Auch Resveratrol aus der Weinbeere wurde als Pan-Assay-Interferenzmaterial identifiziert, das in vielen verschiedenen Laboruntersuchungen positive Ergebnisse liefert. Diverse In-vitro-Studien zeigen „wunderbare Wirkungen“, z.B. dass Resveratrol das Sirtuin 1 aktiviert (hier auf meiner Website…).
Dies ist typisch: PAINS zeigen in unzähligen Screenings (Assays) positive Hits, gehen unzählige Bindungen mit z.B. krankhaften Eiweissstoffen von Krebszellen ein und blockieren diese. Deshalb sind sie aber noch lange nicht krebsheilend! Und trotzdem geistern nun die langen Listen mit „Heilwirkungen“ im Internet rum…

Chemische Hochstapler vereiteln Medikamentenentwicklung

Vielleicht gelingen mit den PAINS dann auch einige Versuche an Mäusen (In-vivo-Studien) noch ganz ordentlich. Jedoch die entscheidenden klinischen Studien mit dem Menschen misslingen dann alle komplett!
Auch bei den Multi-Effekt-Substanzen Kurkuma/Curcumin und Weintraube/Resveratrol fand ich keine einzige relevante (heisst doppelblind-randomisierte), positive klinische Studie am Menschen… und trotzdem stehen selbst in Apotheken diverse „Medikamente“ mit Curcumin oder Resveratrol – und werden dementsprechend grossmundig angepriesen.

„Naivität über promiskuitive, Assay-missbrauchende Moleküle verschmutzt die Literatur und verschwendet Ressourcen“, warnen in Nature Jonathan Baell und Michael A. Walters.

aus: Nature 513, 481–483 (25 September 2014)

Quellen: Nature und maiLab erwähnt!
(Nature 513, 481–483 (25 September 2014: J. Baell und M. A. Walters; Chemistry: Chemical con artists foil drug discovery – https://www.nature.com/articles/513481a)

Veröffentlicht am 06. März 2021 von Dr. med. Thomas Walser
Letzte Aktualisierung:
07. März 2021